Schuldenuhr für Deutschland
Tick tack, tick tack

Die schwarze Null steht, der Bund nimmt keine neuen Schulden auf. Und trotzdem klettert die Schuldenuhr des Bundes der Steuerzahler noch im Sekundentakt in immer neue Höhen. Warum eigentlich?
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DüsseldorfSie läuft und läuft und läuft und läuft... Die Schuldenuhr des Steuerzahlerbundes hält einfach nicht an. Trotz schwarzer Null im Bundeshaushalt addieren sich in jeder Sekunde weitere 165 Euro auf die deutsche Staatsverschuldung von über zwei Billionen Euro. Hat Finanzminister Wolfgang Schäuble nicht getönt, Deutschland mache nun keine Schulden mehr? Es scheint grotesk. Die Erklärung dafür ist aber ganz einfach.

Denn die Zahl weist nicht nur die Neuverschuldung des Bundes aus, sondern berücksichtigt auch Kommunen und Länder. Letztere treiben die Uhr an – sie verschulden sich in diesem Jahr mit 5,2 Milliarden Euro. Allen voran sind das Nordrhein-Westfalen (2,1 Milliarden Euro), Rheinland-Pfalz (1,1 Milliarden) und Baden-Württemberg (768 Millionen Euro).

Seit zwanzig Jahren registriert die Schuldenuhr nunmehr die stetig wachsend Staatsverbindlichkeiten. Kein anderes PR-Instrument läuft so zuverlässig für den Bund der Steuerzahler wie sie. „Für uns ist die Uhr ein voller Erfolg“, sagt Reiner Holznagel, Präsident des Steuerzahlerbundes. Indirekt habe sie zur Einführung der Schuldenbremse und zur Haushaltskonsolidierung beigetragen.

Um seine Uhr richtig stellen zu können, schätzt der Bund der Steuerzahler die Neuverschuldung pro Sekunde anhand der Kernhaushalte von Bund, Ländern und Kommunen. Der Gesamtschuldenstand, also aktuell 2,05 Billionen Euro, berücksichtigt außerdem Extrahaushalte, die etwa aus Landesbetrieben oder Versorgungsfonds stammen. Ein solcher Fall sind etwa die Bad Bank-Papiere der Hypo Real Estate.

Dennoch spiegelt die Schuldenuhr des Steuerzahlerbundes nicht alle tatsächlichen Schulden wider. Ausgenommen sind sonstige Fonds, Einrichtungen und Unternehmen. Dazu zählen beispielsweise Schulden aus öffentlich gestützten Flughäfen oder Spaßbädern. „Würde man diese hinzuaddieren, stünden 2,6 Billionen Euro auf der Uhr“, sagt Sebastian Panknin, Leiter Haushalts- und Finanzpolitik beim Steuerzahlerbund.

Das Konzept wurde schon erfolgreich expandiert: Nicht nur in Berlin überschlagen sich die Zahlen, auch in vielen anderen Orten wie Bonn, im niedersächsischen oder schleswig-holsteinischen Landtag. Am liebsten würde Holznagel eine Schuldenuhr im Bundestag aufhängen.

Kommentare zu " Schuldenuhr für Deutschland: Tick tack, tick tack"

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  • Laut einem Herrn Gabriel haben wir keine Bundeskanzlerin, sondern Frau Merkel ist geschäftsführerin einer Bundesrepublik Deutschland GmbH, lt. HR-Auszug übrigens 25.000 Kapitaleinlage. PERFEKT, pfeiff auf Schulden, haut rein was geht, lasst uns aufkaufen was geht, wir sind nur beschränkt haftbar! Macht Schulden kauft alles auf, sonst machts der Ami (solang die Druckerpresse noch funktioniert) oder China (Gewinner des Dollarglücksspiels, die Chinesen haben schon immer gerne gezockt)!
    Draghi wirf die Presse an, sonst kaufen die Europa aus....
    Eigentlich eine herrliche Situation, wenn Sie den so sein sollte...

  • "Warum eigentlich?"
    Die Frage ist wohl ein Witz.
    Unverändert werden z.B. Leistungen für Pensionen ohne adäquate Beiträge bezahlt. Ja glaubt denn irgendwer das Geld fiele als Manna von Himmel?

  • kommt doch nicht mehr drauf an; diese schuld wird ohnehin niemals beglichen werden können. nur "irgendwelche" geldgeber freuen sich über die jährlichen zinszahlungen.

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