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Schulreformen: Sanfter Abschied von der Hauptschule

Lange sträubten sich die unionsregierten Länder, die Hauptschulen abzuschaffen und mit den Realschulen zu vereinen. Doch mit Niedersachsen hat nun auch der erste große, westdeutsche Flächenstaat die Fusion der Schulformen beschlossen. Der Bildungskonflikt zwischen SPD und Union scheint entschieden.

von Barbara Gillmann und Stefan Tillmann
Hauptschulen könnten bald der Vergangenheit angehören. Quelle: dpa
Hauptschulen könnten bald der Vergangenheit angehören. Quelle: dpa

BERLIN. Niedersachsen passt seine Schulstruktur der Demografie und dem bildungspolitischen Zeitgeist an: Haupt- und Realschüler sollen dort künftig auch gemeinsam unterrichtet werden. Das beschloss gestern das Kabinett von Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) in einer Klausursitzung. Lediglich die Kernfächer Deutsch, Mathematik und die erste Fremdsprache sollen in den kombinierten Haupt- und Realschulen weiter getrennt gelehrt werden.

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Damit geht Niedersachsen den schon vor einiger Zeit vorsichtig eingeschlagenen Weg ein ganzes Stück in Richtung zweigliedriges Schulsystem. Schon heute sind bereits die Hälfte der niedersächsischen Haupt- und Realschulen an 200 Standorten zumindest unter einheitlicher Leitung organisiert. "Diese Kooperation hat sich bewährt, das wird weiter zunehmen", sagte die Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann (CDU) in Hannover." Dezidiert spricht sich die niedersächsische Kultusministerin jedoch für die Erhaltung des "gegliederten Schulsystems" aus - von "Dreigliedrigkeit" ist in Hannover gleichwohl keine Rede mehr.

Hintergrund ist der Kulturkampf der seit Jahren zwischen Union und SPD um die Schulstruktur geführt wird. Obwohl im Kern Ländersache, zeichnet sich ab, dass die Schulfrage auch im Bundestagswahlkampf eine herausragende Rolle spielen wird. Landtagswahlen werden ohnehin seit langem vom Thema Bildung dominiert. Die Sozialdemokraten setzen flächendeckend auf die Zusammenlegung zumindest von Haupt- und Realschulen, teilweise auch aller Schularten, sowie auf eine möglichst lange gemeinsame Unterrichtszeit. Sie begründen das vor allem mit Verweis auf die Länder mit integrierten Systemen, die beim internationalen Schülertest Pisa gut abgeschnitten haben. Studien haben zudem gezeigt, dass in Deutschland die Weichen nach der Grundschule auch von den Lehrern oft falsch gestellt werden.

Dazu kommt der Druck der Demografie: Wegen der schrumpfenden Kinderzahl wird es in vielen ländlichen Gebieten immer schwieriger, drei oder noch mehr Schularten aufrecht zu erhalten.

Die Union hingegen hält mehrheitlich die Fahne des traditionellen dreigliedrigen Schulsystems hoch. Sie will die Hauptschüler früher und besser aufs Berufsleben vorbereiten. Das gilt vor allem für Bayern, wo der Anteil der Hauptschüler noch am höchsten ist. Auch im Freistaat sinkt allerdings das Interesse an der früheren Volksschule. Daneben verteidigen die unionsregierten Länder die im internationalen Vergleich sehr frühe Trennung der Kinder nach der vierten Klasse. So auch Niedersachsen.

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