Schulz und die SPD
Mit dem Länder-Triple ins Kanzleramt?

Bei der SPD geht am Sonntag der Machtwechsel von Gabriel zu Schulz über die Parteitagsbühne. Mit ihrem Hoffnungsträger wollen die Genossen die Rampe fürs Kanzleramt aufbauen – wird die rot-rot-grün lackiert sein?
  • 1

Martin Schulz kann in den Augen der SPD-Anhänger gerade übers Wasser laufen. Knackt der Umfragen-Liebling am Sonntag bei seiner Wahl zum SPD-Vorsitzenden und Nachfolger von Sigmar Gabriel nun den Rekord von Kurt Schumacher? Der Sozialdemokrat, einer der Gründerväter der Bundesrepublik, holte 1948 in Düsseldorf 99,71 Prozent.

Da konnte selbst Willy Brandt nicht mithalten. Zwölf Mal kandidierte er für die Spitze der ältesten deutschen Partei. Sein bestes Ergebnis: 1966 in Dortmund 99,36 Prozent. Die 100 packte in diesem Februar eine andere, jedoch nur zuhause an Rhein und Ruhr - Hannelore Kraft bei ihrer Wiederwahl zur Landeschefin.

Die SPD liegt Schulz zu Füßen. Zum Sonderparteitag werden mehr als 3.000 Gäste, darunter 500 Journalisten, in der „Arena“ (vor dem Krieg eine Omnibushalle) in Berlin-Treptow erwartet. Wieder wird es einen Bühnenaufbau nach US-Wahlkampfvorbild geben, mit dem 61 Jahre alten „Weltbürger aus Würselen“ im Zentrum, umrahmt von frisch eingetreten Neu-Genossen. Mehr als 12.000 haben sich seit Trump und Schulz ein Parteibuch geholt. Wird Schulz eine große Rede halten, zeigen, dass er Kanzler kann? Seine Leute dämpfen die Erwartungen ein wenig: Weniger Breaking News, dafür viel fürs sozialdemokratische Herz.

Das konnte Gabriel zum Schluss nicht mehr so richtig wärmen. Er sah es ein, machte Ende Januar den Weg für Schulz frei. „Saufroh“ sei er darüber, sagte Gabriel dieser Tage. Die Partei wird dem neuen Außenminister am Sonntag einen würdigen Abschied bereiten. Siebeneinhalb Jahre an der Spitze, oft davon als Einzelkämpfer, vom Rest der Führungsmannschaft allein gelassen. Ein Promi kommt übrigens nicht. Gerhard Schröder. Praktischerweise im Ausland unterwegs. Schulz will an Schröders Agenda 2010 herumschrauben, länger Arbeitslosengeld auszahlen. Das hätte den ganzen Parteitag überlagert und die Schulz-Show gestört.

Ob nun 98 oder 99 Prozent bei der Chefwahl - für Schulz und seine von ihm berauschten Genossen sind die Prozente am darauffolgenden Sonntag im Saarland viel wichtiger. Holen sich dort die Sozialdemokraten bei der Landtagswahl nach 18 Jahren die Macht (im Doppel mit der Linken?) von der CDU zurück, würde Schulz seinen ersten Titel einfahren. Längst träumen sie bei der SPD vom Triple. Aber Vorsicht: Nach dem am Freitag veröffentlichten ZDF-„Politbarometer Extra“ ist die CDU an der Saar derzeit mit 37 Prozent wieder klar vor der SPD mit 32 Prozent.

In Schleswig-Holstein, wo am 7. Mai gewählt wird, sieht es für Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) nach längerer Schwächephase für Rot-Grün plus Dänen wieder prima aus. Treppenwitz dabei: Albig war im Sommer 2015 derjenige, der seiner im tiefsten Umfrageloch sitzenden Partei riet, gar keinen Kanzlerkandidaten gegen die „ausgezeichnete“ Merkel aufzustellen. Nun könnte Schulz Albig den Job retten.

Seite 1:

Mit dem Länder-Triple ins Kanzleramt?

Seite 2:

Mit wem würde Schulz regieren?

Kommentare zu " Schulz und die SPD: Mit dem Länder-Triple ins Kanzleramt?"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Der Parteitag der SPD geht als Märchen in die Geschichte ein. Die Lobeshymnen
    über sich selber war so dick wie das Eis der Antarktis.

    Als Gabriel mal als Beispiel die SPD lobte das sie nach 150 Jahren immer noch SPD heissen kann , weil man sich nie was zu Schulden hat kommen lassen aber die anderen. Dann sagte er , dass man in der Kaiserzeit Widerstand geleistet hat und
    hat was wichtiges verdrängt.

    Als Deutschland in den Krieg 1914 ziehen wollte, war die SPD dagegen, Das war gut
    so weil man einen Angriffskrieg führen wollte, Der Kaiser und Teile des Parlamentes
    machten kurz darauf einen Verteidigungskrieg daraus und siehe , die SPD konnte sich nicht verweigern. Der erste Fake und die SPD machte sich schuldig für alles was danach kam.

    Als Gabriel dann noch mit seinen Kindern anfing , dass die sich sich keine Sorgen machen müssen wenn Deutschland von der SPD regiert wird, war das Fass Voll.

    Grimm hat das Parteiprogramm geschrieben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%