Schutz für die Wirtschaft
Berlin wappnet sich gegen Angriffe von Wikileaks-Fans

Nach den Wikileaks-Enthüllungen will Bundesinnenminister Thomas de Maizière die Wirtschaft vor Angriffen im Internet bewahren – und vor Geheimnisverrat aus den eigenen Reihen. Geplant ist ein unter anderem ein „Cyber-Abwehrzentrum“.
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BERLIN. Nach den Enthüllungen der Internetplattform Wikileaks und den Angriffen auf Internetseiten von Wikileaks-kritischen Unternehmen setzt Bundesinnenminister Thomas de Maizìère (CDU) auf eine engere Zusammenarbeit der Wirtschaft mit den Sicherheitsdiensten. Geplant ist unter anderem ein „Cyber-Abwehrzentrum“. Im kommenden Jahr will de Maizière ein detailliertes Konzept vorlegen, sagte dessen Sprecher dem Handelsblatt.

Ende vergangener Woche hatte Staatssekretär Klaus-Dieter Fritsche erklärt: „Für die Sicherheitsbehörden und die Diplomatie sind Geheimhaltungsinteressen selbstverständlich“ – und dies gelte ebenso für die Sicherheit und den Schutz der Wirtschaft.

Regierung will Abwehrinstrumente entwickeln

„Die Aufgabe eines neuen Cyberabwehr-Zentrums soll ein schneller und enger Informationsaustausch über Schwachstellen und Angriffsformen“ sein, erklärte Fritsche. Das Zentrum solle Angriffe analysieren und Handlungsempfehlungen abstimmen. Es sei wichtig, technische Aspekte mit der nachrichtendienstlichen Analyse zu verknüpfen, um entsprechende Abwehrinstrumente zu entwickeln. Dazu sollten verstärkt der Verfassungsschutz mit dem Bundesamt für die Sicherheit in der Informationstechnik zusammenarbeiten.

Vor zwei Wochen hatte die Internetplattform Wikileaks begonnen, vertraulichen Schriftverkehr von US-Diplomaten im Internet zu veröffentlichen, was die amerikanische Regierung scharf verurteilt hatte. „Die US-Regierung sucht jetzt verzweifelt nach einem Paragrafen, der es erlaubt, Herrn Assange den Prozess zu machen“, sagte Wolfgang Ischinger, Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz dem Handelsblatt. Das nehme „Züge einer Hexenjagd“ an. „Der riesige Druck, den man in Washington jetzt auf Wikileaks ausübt, schadet dem Ansehen der USA in der Welt mehr, als es die Veröffentlichungen von Wikileaks tun konnten", sagte der ehemalige Botschafter Deutschlands in Washington.

Den Betreibern der Internet-Plattform wäre auch in Deutschland rechtlich nur schwer beizukommen. So hatte Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) Behörden und Unternehmen jüngst dringend angemahnt, ihre Daten besser gegen Missbrauch zu sichern – weil die Ministerin eine Handhabe des Gesetzgebers gegen Wikileaks nicht sieht. Die Arbeit von Wikileaks ist strafrechtlich kaum zu ahnden. Zwar ist Geheimnisverrat strafbar, allerdings für gewöhnlich nicht für den Transporteur des Geheimnisses – zumindest nicht in jenen demokratischen Staaten, von denen aus Assange die ihm geheim zugespielten Dokumente verbreitet – etwa Schweden oder die USA.

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  • Wikileaks als Trojanisches Pferd für internetüberwachung......clever eingefädelt.
    Und die naiven Menschen lassen es sich mal wieder gefallen und schnallen es nicht

  • Jede Mauschelei wird jetzt als "Geschäftsgeheimnis" deklariert und man darf sie nicht mehr aufdecken ?

    Keine Ahnung von iT und der Vergeblichkeit von Geheimhaltung, aber wilder Aktionismus auf allen Ebenen.

  • ddos ist kein hack !

    niemand dringt dabei irgendwo ein, manipuliert oder kopiert dabei daten.

    wenn daten KOPiERT werden, sind sie nicht gestohlen, sondern lediglich nullen und einsen VERViELFÄLTiGT worden.

    ddos ist vergleichbar mit dem ansturm auf die tür bei der eröffnung des blödmarktes im alexa am alexanderplatz. wenn zuviele reinwollen, passt keiner durch.

    schon heidegger hat uns gezeigt, wie man worte neu determiniert.

    orwell erkannte diese gefahr und nannte sie NEUSPRECH.

    und schwupps ! da ist sie.

    ganz im sinne von volksschauspieler o.fischer: "NiCHT VERSCHNAUFEN, WEiTERKAUFEN !"

    http://commonman.de/wp/?page_id=2062

    http://commonman.de/wp/?page_id=2056

    http://commonman.de/wp/?page_id=1862

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