Schwarz-Gelb
Röttgens größte Bewährungsprobe

Der neue Bundesumweltminister Norbert Röttgen vertritt Deutschland bereits in wenigen Wochen bei der Weltklimakonferenz in Kopenhagen. Der Erwartungsdruck ist hoch, das Themengebiet voller Fallstricke. Das Amt bietet Röttgen die Chance, der Vorzeigeminister für eine ideologisch entstaubte CDU zu werden.
  • 0

BERLIN. Für den künftigen Bundesumweltminister Norbert Röttgen steht die größte Bewährungsprobe ganz am Anfang seiner Amtszeit: Bereits in sechs Wochen wird der CDU-Politiker deutsche Positionen beim Weltklimagipfel in Kopenhagen vertreten müssen. Der Erwartungsdruck ist hoch, das Themengebiet voller Fallstricke.

Wie Röttgen beim Kopenhagener Gipfel agieren wird, ist für die deutsche Wirtschaft von entscheidender Bedeutung. Nur wenn es den europäischen Politikern gelingt, ein verbindliches Kyoto-Nachfolgeabkommen durchzusetzen, das CO2-Reduktionsziele für möglichst viele Staatengruppen definiert, wird der Klimaschutz ein Gewinnerthema für die Wirtschaft. Gerade deutsche Unternehmen setzen auf einen Erfolg der Verhandlungen. Verbindliche Emissionsreduktionen würden milliardenschwere Geschäfte mit grüner Technologie nach sich ziehen.

Röttgen steht also unter strenger Beobachtung. Das Umweltministerium hat er sich ausdrücklich gewünscht, obwohl er für viele Jobs infrage gekommen wäre. Noch lieber wäre ihm, dem leidenschaftlichen Parlamentarier, womöglich der Fraktionsvorsitz gewesen, doch hatte Amtsinhaber Volker Kauder früh klargemacht, dass er davon nicht weichen wolle. Als Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion galt Röttgen in den letzten vier Jahren als "unterversorgt". Bereits beim Regierungswechsel 2005 hatte er sich Hoffnungen auf ein Ministeramt gemacht. Röttgen als "1. PGF", das war, als würde Bayern-Regisseur Franck Ribéry als Verteidiger auflaufen.

Als Mann mit Wirtschaftskompetenz galt er spätestens, seitdem ihm Angela Merkel 2008 den Marschbefehl erteilt hatte, das wirtschaftspolitische Profil der Union zu schärfen. Eine Aufgabe, der sich Röttgen mit Verve annahm, bei der er aber auch durch die überraschende Neubesetzung im Wirtschaftsressort durch Karl-Theodor zu Guttenberg gebremst wurde.

Jetzt stürzt sich Röttgen auf das Umweltthema. Im Ministerium am Alexanderplatz hatte man Röttgen nicht auf dem Zettel. Lange hatte vieles darauf hingedeutet, dass die baden-württembergische Umweltministerin Tanja Gönner (CDU) den Chefsessel übernehmen würde. Das Haus, seit Jahren beharrlich auf Ökokurs, hätte sich mit der CDU-Politikerin schnell anfreunden können. Gönner steht für einen Kurs, der große Schnittmengen mit Positionen von Grünen und umweltorientierten Sozialdemokraten aufweist.

Seite 1:

Röttgens größte Bewährungsprobe

Seite 2:

Kommentare zu " Schwarz-Gelb: Röttgens größte Bewährungsprobe"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%