Schwarz-Gelb schrumpft
Den Parteien laufen die Mitglieder weg

Die deutschen Parteien haben ein dickes Problem: Sie gelten als unattraktiv und verlieren von Jahr zu Jahr mehr Mitglieder. Besonders gebeutelt wurden 2010 die Regierungsparteien CDU und FDP, wie eine aktuelle Umfrage zeigt. Nur die Grünen stellen sich gegen den Trend und können sich vor Neuzugängen kaum retten.
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HB BERLIN. Den großen Parteien laufen weiter die Mitglieder davon, nur die Grünen sind nach wie vor im Aufwind. Kurz vor Weihnachten zählte die Öko-Partei 52 608 Mitglieder - mehr als jemals zuvor. Die Konkurrenz kann von solchen Rekordmarken nur träumen, denn bei den meisten anderen Parteien setzt sich einer dpa-Umfrage zufolge der Abwärtstrend weiter fort.

Einen deutlichen Aderlass musste die FDP hinnehmen, die seit geraumer Zeit auch im Umfragetief bei der Wählergunst steckt. Nach einer ersten Bilanz verloren die Freidemokraten seit Jahresbeginn mehr als 2000 Mitglieder und rutschten damit wohl unter die Marke von 70 000 - ein Minus von etwa drei Prozent.

Nach Recherchen der "Berliner Zeitung" (Donnerstag) verloren einzelne Landesverbände aus Ärger über die Regierungspolitik sogar mehr als fünf Prozent ihrer Mitglieder. Trotzdem steht die FDP noch immer deutlich besser da als vor zwei Jahren: Damals gab es bundesweit lediglich 65 500 Freidemokraten, ehe die Partei rund um die Bundestagswahl eine ungeahnte Eintrittswelle erlebte.

Die CDU beendet das Jahr zwar zum dritten Mal in Folge als größte deutsche Partei, aber mit 508 079 Mitgliedern reduzierte sich die Zahl der Christdemokraten im Vergleich zum Vorjahr um fast 15 000.

Die einzige Regierungspartei, die offenbar ungeschoren davonkam, ist die CSU. Gab es vor einem Jahr noch 159 198 Beitragszahler, ist derzeit bei den Christsozialen unverändert von rund 160 000 Parteigängern die Rede.

Die Grünen, die seit Monaten im Umfragehoch sind, toppten zum Jahresende noch einmal ihren Mitgliederrekord aus dem November, als sie erstmals ihre bisherige Bestmarke aus dem Jahr 1998 überboten hatten. Kurz nach der rot-grünen Regierungsübernahme erreichte die Partei mit damals 51 812 Mitgliedern ihr bisheriges Allzeithoch.

Die SPD schrumpfte zwar weiter, doch der Schwund war diesmal nicht so groß wie bei der CDU. Deshalb konnten die Sozialdemokraten ihren Rückstand auf die Merkel-Partei wieder verkürzen, auch wenn die Zahl der SPD-Mitglieder seit Jahresbeginn von 513 000 auf etwa 505 000 sank. Genauere Zahlen kann die Partei derzeit allerdings nicht nennen, denn auch Monate nach der Umstellung der Mitgliederdatenbank kämpft man im Willy-Brandt-Haus mit technischen Problemen.

Noch unklarer ist die Lage bei der Linken. Nachdem Ende 2009 exakt 78 046 Mitglieder gemeldet wurden, war im Sommer von etwa 78 500 die Rede. Offizielle Zahlen will die Partei derzeit allerdings nicht nennen. Hintergrund dürfte die sogenannte Karteileichen-Affäre in Bayern sein, wo der Landesverband die Mitgliederzahlen manipuliert haben soll.

Kommentare zu " Schwarz-Gelb schrumpft: Den Parteien laufen die Mitglieder weg"

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  • @ Lutz sehe das ähnlich, Die Parteien haben in den letzten Jahren am Volk vorbei regiert, sie sind verantwortlich für eine Umverteilung. sowie es zugelassen zu haben das der spekulative Kapitalismus mit seinen Segnungen nur sehr wenige reich werden liess und gleichzeitig viele Menschen in den sozialen Abstieg gedrängt hat.Der erneute Spendenskandal erübrigt sich zu kommentieren. Eine Kanzlerin die für Lobbys zu haben ist ebenfalls.Ergo sollte sich die junge Generation von diesen Übel befreien, ich denke wir haben ihnen mit der Derivate bombe, sowie den Atommüll mehr als genug Schrott hinterlassen. Wieviel Perspektivlosigkeit wollen sie eigentlich noch produzieren

  • Sorry [2] Lutz, gemeint war [1] wolf54321

  • Mit gefangen mit gehangen, man muss überlegen mit wem man ins bett geht!
    So viel inkompetenz und Arroganz, wer soll das schon gut heißen, außer ein paar Ewiggestrige.
    Sieh Vorgängers Kommentar.
    Ein Vertreter der Deutschen Leitkultur par excellence!

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