Schwarz-gelbe Regierung
Rösler beklagt Umgangsformen in der Koalition

Die Umgangsformen in der schwarz-gelben Koalition lassen zu wünschen übrig - das hat nun auch FDP-Chef Rösler eingeräumt. Derweil erntet die Union für die Energiewende Lob von unerwarteter Seite.
  • 4

BerlinDie schwarz-gelbe Koalition ist weiterhin in der Dauerkrise. Bundeswirtschaftsminister und FDP-Chef Philipp Rösler beklagte sich in der „Welt am Sonntag“ über schlechte Umgangsformen im vormaligen Wunschbündnis. „Unser Arbeitsstil in dieser Koalition muss anständig und verlässlich sein“, sagte er.

Mit Blick auf einen in den Medien kolportierten bissigen Wortwechsel mit Merkel sagte der Vizekanzler: „Ich habe Vertrauen, dass die Kanzlerin in ihren Reihen künftig für Professionalität sorgen kann.“ Zudem habe Merkel am Mittwochabend in der FDP-Fraktion „diese Durchstecherei und obendrein noch Falschdarstellung mit deutlichen Worten kritisiert und gesagt, dass so etwas nicht vorkommen darf - womit sie völlig Recht hat“.

Medien hatten berichtet, dass Rösler während der entscheidenden Gespräche zum Atomausstieg auf seinem Handy getippt habe und von Merkel daraufhin mit den Worten ermahnt worden sei: „Sie brauchen mir keine SMS zu schicken, Sie können direkt mit mir reden.“ Medienberichten zufolge ist das Verhältnis zwischen Rösler und Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) bereits zerrüttet.

Auch bei den Wählern hat die FDP unter der neuen Führung Röslers keine Trendwende erreicht. Im aktuellen Sonntagstrend der Zeitung „Bild am Sonntag“ kommen die Freidemokraten nur auf vier Prozent, das ist ein Prozentpunkt weniger als in der Vorwoche. Damit würden sie bei Bundestagswahlen an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern.

CSU-Chef Horst Seehofer zeigte sich dennoch zuversichtlich, dass Union und FDP die Energiewende gemeinsam hinbekommen. Er kündigte an, dass sich Rösler dann auf das „Du“-Angebot einstellen könne. Der bayerische Ministerpräsident sagte der „Leipziger Volkszeitung“: „Ich bin da ein altmodischer Mensch. Das Du fällt mir dann leicht, wenn man in der Politik gemeinsam ein gutes Gesellenstück abgeliefert hat.“ Und das sei jetzt die Atomwende.

„Wenn wir die ordentlich gewuppt haben, das werden wir tun, dann wäre das so ein Anlass.“ Mit Röslers Vorgänger Guido Westerwelle war Seehofer nach den schwarz-gelben Koalitionsverhandlungen per Du.

Derweil lässt der geplante Atomausstieg der Bundesregierung die Grünen über Koalitionen mit der Union nachdenken. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann sagte im „Tagesspiegel am Sonntag“: „Die Verlängerung der Laufzeiten hat unüberbrückbare Gräben aufgerissen, die werden nun wieder eingeebnet.“

Seite 1:

Rösler beklagt Umgangsformen in der Koalition

Seite 2:

Grüne wollen sich die Union als Option warm halten

Kommentare zu " Schwarz-gelbe Regierung: Rösler beklagt Umgangsformen in der Koalition"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Contenance und angemessene Umgangsformen treten in den Hintergrund, wenn die Nerven bloßliegen und der Korridor sittlich-moralischen Verhalten längst verlassen worden ist. Rösler glaubt immer noch, daß er mit seinem "FDP-Kindergarten" im gruppendynamischen Erziehungsparadies mit "Tante" Brüder und "Mutti" Merkel Gehversuche und spielerische Experimente abgehalten bekommt! In der Politik versucht jeder jedem die Nase zu putzen, aber eben nicht so sanft, wie im Kindergarten, sondern lieber mit Schmirgelpapier mit möglichst grober Körnung! Das macht so eindrucksvolle Gesichter und führt zu unvergesslichen Erlebnissen und trennt die Spreu vom Weizen.
    In manchen Betrieben geht es ähnlich zu und dort nennt man solches Verhalten "mobbing", ein sicheres Zeichen, daß fundamental etwas nihct stimmt, in der Regel ist die Betriebsleitung, sind Vorgesetzte persönlich ungeeignet!

  • Herr Rösler hat sich ja nicht über den Umgang der Politik mit dem Bürger beklagt, das hält er wohl für in Ordnung.

  • Gehört es zum Umgangston, die eigenen Bürger zu verachten und auszuplündern???

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%