Schwarz-roter Postenpoker
Merkel hütet Kabinetts-Liste bis zum Schluss

Wer wird was in der neuen Bundesregierung? Das Ende des Rätselratens naht, Union und SPD legen sich fest. Erste Namen kursieren bereits. Für die Sozialdemokraten hat Ex-Finanzsenator Sarrazin einen ganz speziellen Tipp.
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BerlinDer dritte Advent könnte für zahlreiche Politiker schon eine schöne Bescherung bringen. Dem Vernehmen nach rüsten sich CDU, CSU und SPD für die noch ausstehenden Entscheidungen nach der Auszählung des SPD-Mitgliederentscheids, die für Samstag ansteht.

Angesichts der in den Parteispitzen erwarteten Zustimmung der SPD-Basis dürfte dann bekannt gegeben werden, worauf die Öffentlichkeit seit der Einigung auf den Koalitionsvertrag vor fast zwei Wochen am meisten wartet: wer welches Ministerium bekommt und wie die Ressorts dann zugeschnitten sind.

Intern wurde bereits kritisiert, dass die Volksparteien der Öffentlichkeit ein seltsames Schauspiel lieferten. Obwohl es als sicher gilt, dass Angela Merkel, Sigmar Gabriel und Horst Seehofer sich am Ende der Koalitionsverhandlungen auf die Verteilung und Zuschnitte der Ministerien geeinigt haben, entbrannte zwischen SPD und CDU noch einmal eine öffentliche Debatte, wer nun das Finanzministerium übernehmen darf.

Dabei fiel häufig der Name Gabriel. Politische Beobachter erwarten, dass er in jedem Fall ins Kabinett einziehen wird. Als politisches Schwergewicht müsste der SPD-Chef dann ein wichtiges Ressort übernehmen. In diesem Zusammenhang empfahl vor kurzem der Vorgänger von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), der gescheiterte Kanzlerkandidat Peer Steinbrück, der SPD, das Finanzressort wieder für sich zu beanspruchen. Unionspolitiker hatten sich parallel für den Verbleib Schäubles auf dem Posten stark gemacht.

Wie Steinbrück ist auch der frühere Berliner Finanzsenator und Ex-Bundesbankvorstandsmitglied Thilo Sarrazin (SPD) der Ansicht, dass seine Partei das Finanzressort nicht der Union überlassen darf. „Ich bin unbedingt der Meinung, dass die SPD das Amt des Finanzminister anstreben muss“, sagte Sarrazin Handelsblatt Online.

„Die reale Macht in einer Regierung liegt zu 90 Prozent bei drei Ämtern: dem Regierungschef, dem Finanzminister und dem Innenminister.“ Zusätzlich habe noch Europa und die Euro-Krise das Gewicht des Bundesfinanzministers „erheblich“ verstärkt. „Die CDU stellt die Bundeskanzlerin, die CSU den Innenminister, da sollte die Entscheidung für die SPD klar sein“, fügte der SPD-Politiker hinzu. Das gelte unabhängig von der persönlichen Eignung Sigmar Gabriels.

Koalitionsvertrag CDU-CSU-SPD zum Download

Allerdings hatte Schäuble zuletzt im Interview mit dem Handelsblatt seine Bereitschaft erklärt, sein Amt als Finanzminister weiterzuführen. Wenn Merkel ihm den Posten anbiete, „dann würde ich nicht ablehnen“. Zuvor hatte die CDU-Spitze den Anspruch der Union auf die Besetzung des Finanzministerpostens unterstrichen.

Kommentare zu " Schwarz-roter Postenpoker: Merkel hütet Kabinetts-Liste bis zum Schluss"

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  • Na, das ist ja erstaunlich! Wie schnell hat die SPD den Führungsstil der Bundeskanzlerin übernommen! Nicht aus der Deckung kommen, nichts sagen, nur positive, kurze, spärliche
    Mitteilungen abgeben! Wir, die Bevölkerung ,brauchen nicht mehr zu wissen!
    Es reicht doch , dass Merkel, Seehofer und Gabriel Bescheid wissen! Herr Seehofer und Herr Gabriel wären sicher gut beraten sich auf dieses Vertrauen mit der Bundeskanzlerin nicht einzulassen! Denn es ist ja bekannt, dass sie sehr schnell ihre Meinung ändern kann! Was dann????

  • @ RGN

    Zitat : Vorweg, ich habe Frau Dr. Merkel bei der letzten Bundestagswahl wieder gewählt, weil ich ihr vertraut habe.

    - wenn die Betonung auf "wieder" liegt, dann müssten Sie die letzten 4 Jahre nicht da gewesen sein....:-)

    Entschuldigung, die letzten 8 Jahre................

  • Ist ein Grund mehr, das Finanzministerium auf gar keinem Fall dem Dicken zu überlassen!

    Ein Sozialistischer Soziologe und Politologe als Finanzminister: Gute Nacht!!!

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