Kerkloh ist neben Dörfler der wackerste Befürworter des Transrapids,
denn der Flughafen-Chef braucht den Zug. 30 Millionen Fluggäste hat er jetzt, 60 Millionen sollen es in 15 Jahren sein - wenn seine Rechnung mit einer zusätzlichen dritten Startbahn aufgeht.
Bestnoten erhält er von den Fluggesellschaften für blitzblanke Terminals und von den Passagieren für reibungslosen Service. Doch das reicht nicht. "Dieser Flughafen hat einen Geburtsfehler, er hat keinen Fernbahnhof", sagt Kerkloh über sein Airport-Wunder auf der grünen Wiese. "Man kommt kaum hin und wieder weg", klagt er auf dem Podium, während ein paar Meter weiter eine Maschine nach der anderen auf die Startbahn rollt. Das handverlesene Publikum applaudiert, jeder hier hat schon mal auf dem Weg zum Flughafen auf dem Autobahnzubringer im Stau gestanden. Und das S-Bahn-Trauma sitzt hier tief. Dörfler und Kerkloh sind zufrieden. Endlich ein Heimspiel.
So streiten beide mit den Bürgerinitiativen an diesem Abend über die Höhe der Betonstelzen, damit neben kleinen auch große Tiere passieren können. Um Geld und Alternativen zur Magnetschwebebahn, die ohne verkehrswissenschaftliche Grundausbildung oder einen Schnellkurs in Bund-Länder-Finanzierung niemand seriös bewerten kann.
Und so geht der Weg zurück zur S-Bahn. Der zugige Bahnsteig unter Terminal 1 ist auch abends um zehn noch voll. Die Gesichter, die der Flughafen ausspuckt, sind müde und abgespannt. Die S-Bahn fährt an und bremst an der nächsten Haltestelle, dem menschenleeren Besucherpark des Flughafens, gleich wieder ab.
Weiter geht die Fahrt durch die kalte Nacht über Hallbergmoos, über Ismaning und Unterföhring. Zwischen den Stationen Johanneskirchen und Englschalking ist es dann so weit, die Augen der müden Fahrgäste sind zugefallen. Sie träumen - von einer haltlosen, schwebenden Fahrt. Von einem Zug, der in zehn Minuten am Hauptbahnhof sein könnte.


