Schweigeminute für Demonstranten
Bundesweites Gedenken zum 17. Juni

Mit Kranzniederlegungen und Schweigeminuten wird an diesem Dienstag bundesweit an den Volksaufstand vom 17. Juni in der DDR vor 50 Jahren erinnert. In der Hauptstadt würdigen Bundestag und Bundesrat das historische Ereignis in einer gemeinsamen Gedenkstunde. Als Hauptredner im Bundestag wird Bundespräsident Johannes Rau erwartet. Zuvor legen die Repräsentanten der Verfassungsorgane auf dem Berliner Friedhof Seestraße Blumengebinde nieder.

HB/dpa BERLIN. Neben Rau werden auch Bundestagspräsident Wolfgang Thierse und Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) in die Seestraße kommen. Mit einer Schweigeminute wird dort der mehr als einer Million Menschen gedacht, die in rund 700 Orten der DDR für Freiheit und Demokratie auf die Straße gingen. Auch in vielen Bundesländern erinnern Parlamente sowie Parteien und Kirchen an den Volksaufstand in der DDR, der von sowjetischen Panzern niedergewalzt wurde.

Die Feiern beginnen am Morgen mit einem ökumenischen Gottesdienst in Berlin, bei dem die Oberhäupter der katholischen und evangelischen Kirche, Kardinal Karl Lehmann und Präses Manfred Kock, predigen. Sie würdigten bereits am Montag den 17. Juni als Symbol für Zivilcourage.

Der bevorstehende 50. Jahrestag hat bei den Parteien eine Diskussion über den Umgang mit dem Aufstand ausgelöst. Der stand nach Ansicht der Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler, in Ost und West lange Zeit im gesellschaftlichen Abseits. Die Bundestagsfraktion der Grünen erklärte am Montag, die Gesellschaft müsse sich der „historischen und politischen Blindheit“ stellen. Erst jetzt sei klar, dass die Ziele und der Mut der Aufständischen „zum besten Erbe unserer Geschichte gehören.“

Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) forderte, den 17. Juni als nationalen Gedenktag zu erhalten. Die Erinnerung an den Aufstand dürfe nie verblassen, sagte Stoiber in München. Der Freiheitswille der Aufständischen von 1953 habe zur friedlichen Revolution von 1989 geführt. Der Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Michael Glos, forderte, der Aufstand gehöre verstärkt in den Geschichtsunterricht.

Der designierte PDS-Vorsitzende Lothar Bisky forderte in der „Frankfurter Rundschau“, die „Widersprüchlichkeit dieser Zeit“ bei der Bewertung nicht aus dem Blick zu verlieren.

Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte warf der Bundesregierung eine unzureichende Entschädigung der Opfer vor, die ihren Mut am 17. Juni im Gefängnis büßen mussten. Es sei bitter, dass Renten für Mitglieder des DDR-Herrschaftsapparats gezahlt würden, während politische Opfer mit leeren Händen dastünden.

Die Mehrheit der Bundesbürger will den 3. Oktober als Tag der Deutschen beibehalten. Nach einer Emnid-Umfrage im Auftrag der Zeitung „Die Welt“ (Dienstag) sind drei Viertel der Befragten der Meinung, der nationale Feiertag der Deutschen solle weiterhin am 3. Oktober begangenen werden. Für 17 Prozent erscheine dagegen der 17. Juni als geeignetes Datum. Für die Umfrage waren am vergangenen Freitag 500 Bürger befragt worden.

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