Schweinegrippe
Impfstoff soll ins Ausland verkauft werden

Wegen anhaltender Impfmüdigkeit der Bürger wollen die Bundesländer mehr als zwei Millionen Impfdosen gegen die Schweinegrippe ans Ausland verkaufen. Bisher habe sich nur fünf Prozent der Bevölkerung impfen lassen, sagte Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler am Montag in Berlin.
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HB BERLIN. Selbst bei Ärzten und Pflegepersonal liege die Impfquote nur bei 15 Prozent. Die Bundesländer hätten daher beschlossen, 2,2 Millionen Impfdosen dem Ausland zum Kauf anzubieten. Auf Bitten der Länder frage er daher gerade das Interesse anderer Staaten ab, sagte Rösler. Die Ukraine habe schon früher Kaufbereitschaft signalisiert. Die 2,2 Millionen Impfdosen sollten in der letzten Woche dieses Jahres ausgeliefert werden.

Rösler lehnte eine Entwarnung bei der Schweinegrippe ab. Grippeerkrankungen verliefen meist in Wellen. „Man kann noch nicht davon ausgehen, dass die Krankheit ihre Gefahr verloren hat“, warnte der FDP-Politiker. Er appelliere daher erneut an Bürger und besonders Ärzte und Pflegepersonal, sich impfen zu lassen. Bisher hätten sich in Deutschland etwa 190.000 Menschen mit der neuen Grippe angesteckt, 86 von ihnen seien gestorben. Inzwischen suchten weniger Menschen wegen der Schweinegrippe einen Arzt auf. Etwa 85 Prozent der tödlich Erkrankten litten nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) an Vorerkrankungen.

Auch das RKI gab keine Entwarnung. „Wir haben den Scheitel möglicherweise erst erreicht“, sagte RKI-Präsident Jörg Hacker in der ARD. „Die neue Grippe könnte durchaus im Frühjahr eine neue Welle bringen. Das muss man ins Kalkül ziehen.“ In Deutschland zeichne sich ein differenziertes Bild ab - während in Süddeutschland die Zahl der Infizierten zurückgehe, steige sie im Nordosten Deutschlands. Hacker rief vor allem chronisch Kranke, Schwangere und medizinisches Personal zur Impfung auf.

Die Schweinegrippe befällt am häufigsten Kinder und junge Erwachsene bis zum Alter von 24 Jahren. Die Länder haben 50 Millionen Impfdosen geordert, die schrittweise bis zum Frühjahr ausgeliefert werden sollen. Die Kosten für die Impfung tragen die Krankenkassen. Das finanzielle Risiko für nicht verbrauchte Impfdosen liegt indes bei den Ländern, die für die Seuchenabwehr zuständig sind.

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  • Herr Rösler sollte nicht immer so schnell zum Lautsprecher greifen. Nachdem Anfangs die Schweinegrippenimpfung nur schleppend anlief warnte er davor sich nicht impfen zu lassen. Daraufhin überrannten verängstigte Patienten die Praxen, um sich impfen zu lassen. Die Reaktion von Herrn Rösler hierauf war, dass die bürger Ruhe bewahren sollten. Nunmehr will Herr Rösler eine impfmüdigkeit feststellen und impfstoff ins Ausland verkaufen, da sich nur ca. 5% der bevölkerung haben impfen lassen. All diese Meldungen innerhalb eines Zeitfensters von ca. 7-Wochen.
    Herr Rösler: Weniger ist mehr. Ein solches Vorgehen trägt nicht unbedingt zur beruhigung der bevölkerung bei.
    Da kann man nur hoffen, dass Herr Rösler niemals mit einer wirklichen Pandemie konfrontiert wird.

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