Sechs Fragen an: Helmuth Schwarz
„Gehälter hier bieten keinen Anreiz mehr“

Immer mehr Deutsche kehren ihrer Heimat den Rücken, um im Ausland Karriere zu machen. Unter ihnen befinden sich viele Fach- und Führungskräfte. Die Wirtschaft schlägt Alarm. Helmut Schwarz, Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung, erklärt, warum die Elite abwandert.
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Wie groß ist die Abwanderung in der Wissenschaft?

Das Problem ist viel kleiner, als es aussieht. Nach allen Befragungen der Wissenschaft kehren rund 85 Prozent der Wissenschaftler wieder zurück. Nur 15 Prozent der jungen Forscher bleiben auf Dauer im Ausland.

Viele klagen über die Gehälter.

Das ist in der Tat ein ernstes Problem, die deutschen Gehälter bieten keinen Anreiz mehr. Wir brauchen daher schnell einen Wissenschaftstarif, damit wir kompetetive Gehälter anbieten können - von den Professoren bis zum Hausmeister - und so mit dem Ausland, aber auch mit der Wirtschaft mithalten können. Bei den Top-Gehältern dürfen wir uns nicht an Ohio messen, sondern an Harvard.

Es gibt doch Leistungszulagen ...

Aber nur in sehr beschränktem Umfang - auch weil Geld fehlt. An einer staatlichen US-Uni wie Berkeley/Kalifornien reicht die Spreizung der Gehälter von 100 000 bis 400 000 Dollar - in der gleichen Abteilung. Das ist bei uns absolut unmöglich.

Sind die USA der Maßstab?

Ja, aber auch kleine Länder strengen sich an: Selbst Finnland, Irland und Dänemark bieten große Anreize, die Schweiz sowieso. Deshalb finanzieren wir die Humboldt-Professur: Damit stocken wir jährlich das Gehalt von zehn Professoren auf 180 000 Euro auf, wenn sie aus dem Ausland nach Deutschland kommen. Das klingt ungewöhnlich, orientiert sich aber an der internationalen Konkurrenz.

Ist dies das einzige Problem?

Wir tun auch für den wissenschaftlichen Nachwuchs zu wenig. Junge Forscher haben im Ausland das Gefühl, viel früher selbstständig arbeiten zu können. Wir hingegen pampern den Nachwuchs bis zuletzt wie Babys und bevormunden ihn damit. Das ist aber mehr ein mentales Problem.

Wie ist die generelle Tendenz?

Mittelfristig wird es besser. Durch Exzellenzinitiative, Forschungspakt und Hochschulpakt entstehen in den nächsten Jahren 10 000 Stellen. Zudem hat das "Forscherparadies USA" 2007 immens Forscherstellen eingespart. Von der Infrastruktur her können es die Max-Planck-, Helmholtz- und Leibniz-Institute und auch einzelne Fakultäten an deutschen Unis spielend mit den USA aufnehmen - vorausgesetzt, wir legen bei den Gehältern nach.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin

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