0 Bewertungen
02.09.2006 
Gammelfleisch auch in Hessen

Seehofer fordert schärfere Kontrollen

Im jüngsten Lebensmittelskandal um vergammeltes Fleisch hat Bundesverbraucherminister Horst Seehofer (CSU) die Bundesländer scharf kritisiert. „Ich weise seit Monaten darauf hin, dass die Lebensmittelkontrollen in Qualität und Dichte in Deutschland verbesserungsbedürftig sind“, sagte Seehofer am Samstag am Rande des CSU-Grundsatzkongresses in München.

Horst Seehofer fordert in Sachen Gammelfleisch schärfere Kontrollen der Länder. FOTO: dpaLupe

Horst Seehofer fordert in Sachen Gammelfleisch schärfere Kontrollen der Länder. FOTO: dpa

HB MÜNCHEN. „Die meisten Bundesländer haben sich dem bislang widersetzt“, sagte der Minister, ohne dabei einzelne Länder konkret zu nennen. In Großhandelsbetrieben in München und in Niederbayern waren in der vergangenen Woche insgesamt fast 100 Tonnen Tiefkühlfleisch beschlagnahmt worden, deren Haltbarkeitsdaten um bis zu vier Jahre überschritten waren.

Der verdächtige Münchner Großhändler soll drei Tonnen des alten Fleischs nach Niedersachsen geliefert haben. Auch Baden-Württemberg soll betroffen sein. Mehrere hundert Kilo Ware aus München wurde unterdessen in Hessen beschlagnahmt. Nach den bisherigen Ermittlungen hatte der Münchner Betrieb aber nicht nur Gastronomie in ganz Deutschland, sondern auch im europäischen Ausland beliefert. Die niedersächsische Grünen-Bundestagsabgeordnete Brigitte Pothmer forderte von Niedersachsens Agrarminister Hans-Heinrich Ehlen (CDU), sofort Listen zu veröffentlichen, an wen das Fleisch geliefert wurde. „Wir dürfen dies nach einer Reihe von Skandalen nicht weiter als Kavaliersdelikt behandeln“, sagte sie. „Es geht hier auch um Körperverletzung.“

Die bayerische Staatsregierung sieht sich wegen des Skandals heftiger Kritik ausgesetzt. Die Grünen warfen ihr Versagen vor. „Die Landesregierung muss erklären, warum die angeblich systematischen und strengen Kontrollen nach dem letzten Fleischskandal hier nicht ans Tageslicht befördert haben“, sagte die Parteivorsitzende Claudia Roth am Samstag der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Berlin. Verbraucherschützer kritisierten, dass nach der Ankündigung verschärfter Kontrollen in Folge früherer Fleischskandale wieder nicht die Behörden die neuen unhaltbaren Zustände aufgedeckt hätten, sondern die Polizei auf Grund anonymer Hinweise.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Foodwatch forderte mehr Transparenz und härtere Strafen

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterBildergalerien

zurück
  • Obamas Kabinett nimmt Gestalt an

    Obamas Kabinett nimmt Gestalt an

    Die Milliardärin Penny Pritzker aus Chicago soll nach US-Medienberichten Wirtschaftsministerin in der Regierung des designierten Präsidenten Barack Obama werden. Mit dieser Personalie nimmt die Regierungsmannschaft zwei Wochen nach der US-Wahl allmählich Gestalt an.Bildergalerie 

  • Was auf dem Weltfinanzgipfel beschlos...

    Was auf dem Weltfinanzgipfel beschlossen wurde

    Auf dem Weltfinanzgipfel in Washington wollten die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) einen Fahrplan für eine neue Weltfinanzordnung vereinbaren, die eine Finanzkrise, die die ganze Welt in die Rezession treibt, in Zukunft verhindern soll. Was beschlossen...Bildergalerie 

  • Was führende Köpfe vom Finanzgipfel e...

    Was führende Köpfe vom Finanzgipfel erwarten

    Nichts Geringeres als eine neue Weltfinanzordnung wollen die 20 Staats- und Regierungschefs der größten Wirtschaftsmächte am Wochenende in Washington aus der Taufe heben. Was Politiker, Konzernchefs, Ökonomen und andere führende Köpfe aus der Finanzwelt vom Weltfinanzg...Bildergalerie 

vor

 

 

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Kein Ausweg aus der Finanzkrise in Sicht  Artikel in Merkliste

21.11.2008 von Hermann-Josef Knipper

Der letzte Tag der „Euro Finance Week“ in Frankfurt hat das ganze Drama der Macht- und Ratlosigkeit der Finanzbranche deutlich gemacht. Nach der harschen Kritik von Bundespräsident Horst Köhler, der nicht weniger als ein neues Weltfinanzsystem gefordert und viele Schuldige benannt hatte, mühten sich Banker, Ökonomen und Notenbanker um Auswege aus der Krise. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Deutscher Bauernstaat  Artikel in Merkliste

21.11.2008 von Helmut Hauschild

Die Bundesregierung tut sich mit ihrer Agrarpolitik als Industriestaat keinen Gefallen. Kommentar