_

Seehofer setzt sich durch: Erbschaftsteuer am Ziel

Es ist vollbracht: Die Spitzen von Union und SPD haben sich auf eine Reform der Erbschaftsteuer verständigt. Am Ende hat sich CSU-Chef Horst Seehofer mit seiner Position bei der Begünstigung von Eigenheimen durchgesetzt. Vorteile bringt die neue Erbschaftsteuer für Betriebe – allerdings nur unter strengen Auflagen.

Die Große Koalition hat sich auf einen Kompromiss bei der Erbschaftssteuer geeinigt. Das bestätigte der SPD-Fraktionsschef Peter Struck (Foto) am Donnerstagabend. Foto: dpa Quelle: dpa
Die Große Koalition hat sich auf einen Kompromiss bei der Erbschaftssteuer geeinigt. Das bestätigte der SPD-Fraktionsschef Peter Struck (Foto) am Donnerstagabend. Foto: dpa Quelle: dpa

HB BERLIN. Am Ende hat sich CSU-Chef Horst Seehofer durchgesetzt: Die SPD akzeptierte entgegen ihren ursprünglichen Forderungen, dass die „Witwe am Starnberger See“ keine Erbschaftsteuer auf das von ihr bewohnte Haus bezahlen muss, egal wie viel es wert ist. Das Gleiche gilt für Kinder, wenn sie ebenfalls zehn Jahre dort wohnen bleiben, das Haus nicht verkaufen oder vermieten und pro Kind nicht mehr als 200 Quadratmeter bewohnen.

Anzeige

Außerdem setzte Seehofer durch, dass Betriebsvermögen nach zehn Jahren auch völlig erbschaftsteuerfrei vererbt werden kann – allerdings mit so hohen Auflagen, dass in Wirtschaftsverbänden am Donnerstagabend bereits das Wort „Placebo“ kursierte: Die Auflage, de facto alle Arbeitsplätze zehn Jahre halten zu müssen und 90 Prozent des Betriebsvermögens direkt in der Produktion zu binden, sei „lebensfremd“, hieß es.

Für Betriebe blieb es im Wesentlichen bei den bereits am Montag beschlossenen Verbesserungen gegenüber dem ursprünglichen Gesetzentwurf der Bundesregierung von Ende letzten Jahres.

Die Bayern zeigten sich zufrieden mit dem Erreichten. „Für die CSU lässt sich das Ergebnis sehen. Die Reform ist jetzt ein Vorschlag, den man dem Parlament guten Gewissens vorlegen kann“, sagte Bayerns Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) dem Handelsblatt im Anschluss an die dreistündigen, zunächst zähen Verhandlungen im Bundeskanzleramt.

An dem Treffen unter Leitung von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatten die Parteichefs Franz Müntefering (SPD) und Seehofer teilgenommen, außerdem die Fraktionschefs Peter Struck (SPD) und Volker Kauder (Union), Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier und Finanzminister Peer Steinbrück (beide SPD).

Die Zeit drängte für die Koalition. Das Bundesverfassungsgericht hatte die Erbschaftsteuer Anfang 2007 gekippt und dem Gesetzgeber bis zum 31. Dezember 2008 Zeit für eine Neuregelung gegeben. Danach darf das heutige Recht nicht mehr angewendet werden, bei dem Immobilien und Unternehmen weit unter ihrem Verkehrswert bewertet werden. Künftig müssen alle Vermögensarten nahe dem Verkaufswert taxiert werden.

  • Die aktuellen Top-Themen
Die Linke: Ulrich Maurer greift Parteispitze an

Ulrich Maurer greift Parteispitze an

In der Linken mehrt sich der Protest gegen die Parteispitze und den Zustand der Partei. Fraktionsvize Ulrich Mauer fordert eine radikale Verjüngungskur - und mehr Frauen. Denn in diesem Punkt hapert es gewaltig.

Gastkommentar: Die CDU muss weiter nach links rücken

Die CDU muss weiter nach links rücken

Nach der NRW-Wahl muss die Union neue Prioritäten setzen: Sie muss auf die Sorgen der Menschen reagieren. Sonst verliert sie noch mehr Vertrauen - und ihren Status als Volkspartei.

Studie: Bei Übernahmeschlachten gewinnt der Verlierer

Bei Übernahmeschlachten gewinnt der Verlierer

Wenn zwei Unternehmen um ein anderes streiten, bedeutet das oft nicht Gutes für den Gewinner. Denn bei Übernahmen können die Sieger die Erwartungen oft nicht erfüllen. Profiteur ist - der Verlierer.