Seehofer und die Stromtrassen
Gegenwind aus den eigenen Reihen

In Bayern wurde in den vergangenen Monaten viel über die Nord-Süd-Stromleitungen diskutiert. Ministerpräsident Horst Seehofer stellt den Bau der Stromtrassen in Frage. Nun bekommt er aus den eigenen Reihen Gegenwind.
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BerlinDer bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) wird nun auch aus den eigenen Reihen wegen seines Widerstands gegen Nord-Süd-Stromleitungen kritisiert. „Bayern braucht selbstverständlich diesen Strom aus dem Norden“, sagte der Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Wirtschaft und Energie, Peter Ramsauer (CSU), der „Mittelbayerischen Zeitung“.

Wenn die Atomkraftwerke in Bayern bis 2022 abgeschaltet würden, sei Windstrom von Küsten und von hoher See nötig. Auch Bayern habe im Zuge der Energiewende dem Bau von Leitungen zugestimmt. Ramsauer machte deutlich, dass der Freistaat mindestens zwei große Trassen brauche. Seehofer hatte dagegen die Leitungen insgesamt infrage gestellt. Er setzt stattdessen auf neue Gaskraftwerke. Ramsauer nannte dies eine „unverantwortliche, weil unökonomische Variante“.

Bayern hatte in den vergangenen Monaten im Rahmen eines Bürgerdialogs über die zwei sogenannten Nord-Süd-Stromautobahnen diskutiert, der Anfang Februar abgeschlossen wurde. Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner stellte danach angesichts des Widerstands von Bürgerinitiativen gegen die Bauprojekte die Notwendigkeit von zwei Leitungen infrage. Seehofer zweifelte den Bau sogar insgesamt an. Die Gespräche mit dem Bund über diese Fragen hätten zudem Zeit.

Die großen Netzbetreiber erachten dagegen beide Leitungen zum Transport des Windstroms in die Industriegebiete im Süden als nötig. Dies prüft derzeit die Bundesnetzagentur, eine Zustimmung gilt als sicher. Das Vorhaben wird dann gesetzlich verankert.

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) hatte Seehofer bereits attackiert und ihm Verantwortungslosigkeit vorgeworfen. Er schade der bayerischen Industrie selbst, die auf den günstigen Strom aus dem Norden angewiesen sei.

Ramsauer sagte, der Bau von Gaskraftwerken sei keine Alternative, weil er derzeit nur mit Subventionen zu finanzieren sei. „Ökonomisch ist dazu nur ein glasklares Nein zu sagen.“ Man brauche statt des früheren Kohlepfennigs nun keinen Gaspfennig. Der Widerstand vor Ort gegen die Großbaustellen dürfe die Politik nicht schrecken. „Wir haben den Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen, also müssen wir die Nebenwirkungen, also etwa neue Trassen, in Kauf nehmen.“

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Seehofer und die Stromtrassen: Gegenwind aus den eigenen Reihen"

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  • Herr Seehofer, bleiben Sie stark! Wenn Herr Albig "wir" sagt, meint er sich, eine damals mehr als kopflose Kanzlerin und ein Häuflein subventionsgieriger Windstromnutznießer, aber er meint nicht uns und natürlich nicht alle Bürger dieser Republik. Ach ja, vielleicht meint er auch die eingemauerten Gutmenschen aus der Stadt, die von Mega-Industrie-Mühlen auf dem Land nicht gestört werden, weil Sie da bestenfalls durchfahren. Wir haben es hier einfach nur mit dem normalen Egoismus zu tun, der uns ideologisch als das Gute von Morgen verkauft werden soll. Also Herr Seehofer, man kann vielleicht viel an Ihnen herumkriteln, aber hier, bitte schön, bleiben Sie stark.

  • Ich persönlich finde es sehr bedauerlich, dass keiner in Berlin oder Norddeutschland auch nur erwähnt, dass diese überdimensionerten Stromautobahnen mitnichten nur "sauberen und grünen" Windstrom transportieren werden in 10 Jahren, sondern definitv zu über 2/3 wird es "schmutziger" Braunkohlestrom aus Ostdeutschland und Kernenergie aus russischen Atomstrommeilern sein! Eine nachhaltige Energiewende kann jedoch nur dezentral gewonnen werden, außer man möchte weiterhin die Lobby der vier deutschen Stromoligarchen bedienen!

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