Seeräuber
Kritik an Lösegeldzahlung an Piraten

Die Lösegeldzahlung an die Entführer des deutschen Franchters "Hansa Stavanger" ruft scharfe Kritik hervor. Der CSU-Sicherheitsexperte Hans-Peter Uhl fordert ein Ende der "Scheckbuch-Diplomatie mit somalischen Piraten".

HB BERLIN/NAIROBI/LONDON. Der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte Uhl: Für die Piraten am Horn von Afrika sei das eine Aufforderung zu weiteren Überfällen. "Die Gefahr für deutsche Handelsschiffe wird dadurch größer statt kleiner." Uhl forderte eine deutlich härtere Gangart gegen die Seeräuber. Es sei notwendig, gekaperte Schiffe noch auf hoher See notfalls mit Waffengewalt zurückzuerobern.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion Thomas Oppermann sagte der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" (Mittwoch): "Das Problem der Piraterie wird dadurch nicht kleiner". Der Westen finanziere mit Lösegeldzahlungen eine Entführungsindustrie in Somalia. Es seien "hoch professionelle Banden". "Organisierte Kriminalität hat aus der Piraterie ein einträgliches Geschäft gemacht".

Die somalischen Piraten haben Besatzungsmitglieder des freigegebenen deutschen Containerschiffs "Hansa Stavanger" offenkundig mit Scheinhinrichtungen terrorisiert. Frederik E. aus Brake, 2. Offizier auf dem Schiff, habe seinem Vater berichtet, dass sich Besatzungs-Mitglieder mit verbundenen Augen hinknien mussten und anschließend Gewehrsalven über ihre Köpfe hinweg abgefeuert wurden, berichtete die "Deutsche Schifffahrts-Zeitung" online.

Sein Vater klagte die Bundesregierung massiv an: "Wir fühlten uns als Angehörige von der Regierung und dem Krisenstab am Ende nur noch im Stich gelassen", sagte er der "Nordwest Zeitung" (Mittwoch). Er habe an Bundeskanzlerin, Bundespräsident und weitere führende Politiker aller Parteien in seiner Not geschrieben und keine Antwort bekommen. "Aus dem Kanzleramt habe ich immerhin eine Eingangsbestätigung bekommen, aber mehr auch nicht", sagte er.

Das deutsche Containerschiff mit seinen 24 Crewmitgliedern, darunter fünf Deutsche, wird am Donnerstagabend oder Freitag in der kenianischen Hafenstadt Mombasa erwartet. An Bord ist auch ein Marinearzt. Laut Bundeswehr wird das Schiff von der Fregatte "Brandenburg" begleitet.

Nach viermonatigem Martyrium an Bord der "Hansa Stavanger" hatten die Piraten das Schiff am Montagabend verlassen. Zuvor hatten sie nach eigenen Angaben umgerechnet 2,1 Mio. Euro Lösegeld vom Eigentümer, der Hamburger Reederei Leonhardt & Blumberg, erhalten. Nach Kritik des Verbands deutscher Kapitäne und Schiffsoffiziere sowie der Ehefrau des Kapitäns rechtfertigte die Reederei die monatelangen Verhandlungen mit den Geiselnehmern. Reederei- Geschäftsführer Frank Leonhardt sagte "Spiegel Online", dass es unter den "skrupellosen Kriminellen" keine zuverlässigen Gesprächspartner gegeben habe. "Viele Aussagen der Gegenseite waren wenige Stunden später schon nichts mehr wert", sagte er.

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