„Sehr ernste Gespräche“
Mißfelder verteidigt Besuch bei Schröder-Putin-Party

CDU-Außenexperte Mißfelder stehen wegen einer Party mit Kremlchef Putin in der Kritik. Viele in der Union halten seinen Besuch mitten in der Ukraine-Krise für unangemessen. Ganz andere Töne kommen von der Linken.
  • 21

BerlinDer außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Philipp Mißfelder, hat seine Teilnahme an der Geburtstagsfeier für Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) in St. Petersburg verteidigt. Die Stimmung und die Gespräche beim Abendessen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin seien „sehr ernst“ gewesen, sagte Mißfelder der „Bild“-Zeitung. Seiner Meinung nach sei es besser, solche Gesprächsmöglichkeiten zu nutzen, als sich ihnen zu verweigern.

Der CDU-Außenpolitiker fügte hinzu, er sei nicht offiziell, sondern als Privatmann nach St. Petersburg gereist. Den Umgang mit der Krise um Russland und die Ukraine verfolge er mit „großer Sorge“. Er warne davor, „dass hier Sachverhalte dämonisiert werden, die man mit etwas Vernunft anders bewerten würde und sollte.“ Der Einladung zu Schröders Geburtstag sei er gefolgt, weil er ihn als früheren Bundeskanzler schätze und beide ein „gutes Verhältnis“ zueinander pflegten.

Mißfelders Teilnahme an der Geburtstagsparty mit Putin hatte in der Fraktionsspitze der Union Unmut ausgelöst – auch angesichts der Tatsache, dass prorussische Milizen Bundeswehrsoldaten in der Ostukraine gefangen hielten, wie hieß. Mit dieser Begründung hatten auch die Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt und der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Christoph Strässer (SPD) das Treffen Schröder-Putin kritisiert.

Ganz andere Töne kommen von der Linken: Die Sprecherin für internationale Beziehungen der Linksfraktion im Bundestag, Sevim Dagdelen, begrüßte, dass Mißfelder an der Geburtstagsfeier´teilgenommen hat. „Selten bin ich einer politischen Meinung mit Philipp Mißfelder im Auswärtigen Ausschuss. Doch wenn jemand die Möglichkeit zum Dialog mit der russischen Seite in dieser aufgeheizten Stimmung nutzt, dann sollte er dafür nicht verurteilt werden“, sagte Dagdelen Handelsblatt Online.

„Vor allem da Mißfelder bis zum März diesen Jahres der Koordinator der Bundesregierung für die transatlantische Zusammenarbeit war und Mitglied in der Kriegsallianz Atlantikbrücke ist, dürfte er ziemlich unverdächtig sein, sich einseitig an Russland zu orientieren“, sagte Dagdelen weiter. Die Linksfraktion-Abgeordnete fügte hinzu: „Bei allem Dissens in so vielen Fragen mit Mißfelder, von der Position zu Auslandseinsätzen und Rüstungsexporten bis zu Hartz IV und zur Rente ab 67, gilt trotzdem für mich die Devise: Dialog ist besser als Konfrontation.“

Schröder und der russische Präsident Wladimir Putin hatten am Montagabend den 70. Geburtstag des Altkanzlers nachgefeiert. Im Petersburger Jussopow-Palast fand ein Empfang der Nord Stream AG zu Ehren des Altkanzlers statt. Schröder ist Vorsitzender des Aktionärsausschusses des vom russischen Staatskonzern Gazprom dominierten Unternehmens. Nord Stream baute und betreibt die gleichnamige Ostsee-Pipeline, durch die Erdgas von Russland nach Deutschland geleitet wird.

Dietmar Neuerer
Dietmar Neuerer
Handelsblatt / Reporter Politik
Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " „Sehr ernste Gespräche“: Mißfelder verteidigt Besuch bei Schröder-Putin-Party"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @Günther....wenn Sie doch wissen, dass Sanktionen am Ende nur den kleinen Mann treffen, wieso unterstützen Sie dann die Merkel-Politik? Das widerspricht sich doch oder!?
    Ob der Mißfelder nun da fehl am Platze war oder nicht, darüber kann man streiten. Aber man bedenke auch bitte, dass in unserem Land eine Frau regiert, die die Wende in der Saune verpennt hat. Dafür wurde sie dann als Dank mit dem höchsten Posten in der BRD bekleidet.
    Nein nicht Nationaltrainer :))

  • Meiner Meinung nach brauchen nur Kinder und Jugendliche Vorbilder.
    Denn Erwachsene lernen zwar auch immer noch dazu, aber sie müssen nicht mehr erzogen werden.
    Von wem denn(??!).

  • Sie sind aber witzig. An die Öffentlichkeit kommt sowieso nur die Spitze des Eisbergs. Und gerade Politiker haben eine Vorbildfunktion zu erfüllen, denn letztlich schwören sie sogar einen Eid (oder Meineid?) für und im Sinne des Volkes zu wirken. Darum gehören solche Typen wie Mißfelder sofort abgesägt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%