„Sehr unappetitlich“: Ökonomen zerpflücken Anti-Euro-Partei

„Sehr unappetitlich“
Ökonomen zerpflücken Anti-Euro-Partei

Auch wenn die neue Anti-Euro-Partei „Alternative für Deutschland“ eine Bereicherung für die Parteilandschaft sein mag, so überwiegt doch die Skepsis. Führende Ökonomen halten ihre Thesen für mehr als abwegig.

BerlinEines hat die neue Anti-Euro-Partei „Alternative für Deutschland“ schon erreicht: es wird über sie gesprochen. Das politische Berlin ist sogar regelrecht alarmiert, weil befürchtet wird, dass die neue Gruppierung mit ihrem bürgerlichen Anstrich so manchen Bundestagswahl-Traum platzen lassen könnte. Bei Ökonomen erntet die Bewegung, die etwa von dem Hamburger Wirtschaftsprofessor Bernd Lucke und dem früheren Redakteur der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ), Konrad Adam, gegründet wurde, mit ihren Anti-Euro-Thesen energischen Widerspruch.

Doch auch leise Zustimmung ist vernehmbar, etwa, wenn der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, die Parteigründung als solche erst einmal gar nicht schlecht findet. „Grundsätzlich ist es im demokratischen System gut und wünschenswert, wenn das Angebot an politischen Alternativen größer wird“, sagte Hüther Handelsblatt Online. Und sicherlich werde die Floskel von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), es gebe keine Alternative zum eingeschlagenen Weg, zu Recht von der neuen Partei kritisiert, „denn diese Formulierung ist weder richtig noch passend“. Es gebe „immer Alternativen, sie haben nur unterschiedliche Preisauszeichnungen“, betonte Hüther.

Hüther spielt damit auf eine Äußerung Luckes an, der sich erbost über die derzeitige Euro-Rettungspolitik geäußert hatte. Den Euro nannte er einen „Spaltpilz“, der in Südeuropa die Wirtschaft ruiniere, weil die nicht wettbewerbsfähigen Länder nicht abwerten können. Dem Norden, vor allem Deutschland, würden ungeheure Haftungsrisiken für die Milliarden-Kreditprogramme aufgebürdet. „Zu dieser Währungs- und Europa-Politik gebe es keine Alternative, sagen Regierung und Opposition, die bedauerlicherweise in dieser Frage eine einheitliche Politik machen. Doch, es gibt immer eine Alternative“, meint Lucke, nämlich die Auflösung des Euro und die Rückkehr zu nationalen Währungen oder kleineren Währungsverbünden.

Dem widerspricht der IW-Chef vehement. Er sei entschieden der Meinung, dass ein Austritt aus oder ein Zerfall der Euro-Zone „nicht zu geringeren, sondern zu höheren Kosten für alle Beteiligten führt als die von der Politik gewählte Strategie“, sagte Hüther. „Denn eine Währungsunion ist kein Buchclub, aus dem man beliebig austritt.“ Es gebe die „viel geforderte Symmetrie zwischen dem Eintritt und dem Austritt respektive der Gründung und der Auflösung nicht, da die Kapitalmarktanpassungen zu anderen Bedingungen führen“.

Die Protagonisten der neuen Partei übersähen überdies die politischen Konsequenzen für Europa. „Ich teile auch die Bewertung nicht, dass Südeuropa ruiniert und der Norden überfordert wird.“. Die dazu vorgetragenen Argumente verkennten die tatsächlichen politischen Veränderungen im Süden und die erreichte Weiterentwicklung bei den europäischen Institutionen. „Eine Währungsunion ist nun einmal auch eine Verantwortungsgemeinschaft, aus der man nicht bei der ersten Krise aussteigt“, betonte Hüther.

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