Seiteneinsteiger als Bundespräsident
Horst Köhler tritt Amt an

Am kommenden Donnerstag wird Horst Köhler die Nachfolge von Bundespräsident Johannes Rau antreten. Der 61-Jährige war als Staatsoberhaupt von Union und FDP nominiert und am 23. Mai von der Bundesversammlung zum neunten Bundespräsidenten gewählt worden. Nach Karl Carstens (1979-1984) ist er erst der zweite Präsdent in der Geschichte der Bundesrepublik den die Oppostition gegen den Willen der Regierungskoalition durchgesetzt hat.

HB BERLIN. Der 73-jährige Rau war nach seiner fünf Jahre währenden ersten Amtszeit nicht zur Wiederwahl angetreten.

Köhler ist der erste Seiteneinsteiger an der Spitze des Staates. Als Ökonom und ehemaliger Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) hat er - anders als seine Vorgänger von Theodor Heuss bis Johannes Rau - keine klassische Politikerkarriere als Abgeordneter, Minister und Ministerpräsident hinter sich. Köhler trat zwar 1981 in die CDU ein und arbeitete lange im Bundesfinanzministerium, zuletzt als Staatssekretär von Minister Theo Waigel (CSU). In den vergangenen Jahren bewegte er sich aber meist auf dem Finanzparkett: 1993 wurde er Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, 1998 der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung in London, 2000 wechselte er dann nach Washington zum IWF. Köhlers Nominierung als Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten Anfang März kam überraschend. Ihr war ein monatelanges Tauziehen in Union und FDP um einen gemeinsamen Kandidaten vorausgegangen. Im Gespräch war unter anderem der stellvertretende Unionsfraktionsvorsitzende Wolfgang Schäuble. Der beispiellose Kandidaten-Poker war sowohl unionsintern als auch bei den anderen Parteien auf scharfe Kritik gestoßen. Der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) nannte die Suche „Chaos“, der damals noch designierte SPD-Chef Franz Müntefering sprach von einer Mischung aus „Dilettantismus und Unzulänglichkeit“.

Die Wahl am 23. Mai im Berliner Reichstag fiel denkbar knapp aus. Köhler erhielt im ersten Wahlgang mit 604 Stimmen nur eine mehr als für die absolute Mehrheit erforderlich. Mit 50,16 Prozent war es das knappste Ergebnis, mit dem ein Präsident im ersten Wahlgang gewählt worden ist. Für die von SPD und Grünen nominierte Kandidatin Gesine Schwan votierten 589 der 1204 Delegierten und damit 10 mehr als Rot- Grün und PDS zusammen hatten.

Union und FDP bewerteten die Entscheidung für ihren Kandidaten als Zeichen für einen Machtwechsel. Köhler dagegen betonte noch am Wahlabend, dass er sich nicht als ein Instrument dafür sehe. „Ich werde das Amt überparteilich führen“, sagte er. Ohnehin ruht traditionell die Parteimitgliedschaft während der Amtszeit des Bundespräsidenten.

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