Sekundarschulen
Wirtschaft lobt Schulreform Berlins

Berlin macht Ernst und legt zum Schuljahr 2010/11 alle Haupt-, Real- und Gesamtschulen zusammen. Auf der neuen Sekundarschule sollen die Schüler besser gefördert werden und im 13. Jahr auch Abitur machen können. Flächendeckend soll in den Sekundarschulen auch "duales Lernen" angeboten werden, das es bisher nur an Berliner Hauptschulen gab.

BERLIN. Durch Praktika, Projektunterricht und Kooperationen mit Berufsschulen sollen die Schüler frühzeitig auf den Beruf vorbereitet werden. Das Abgeordnetenhaus muss den Beschluss des Senats noch bestätigen.

Mit der monatelang heiß debattierten Reform folgt die Hauptstadt einem Trend: Bundesweit steigt die Zahl der Länder, die Abschied nehmen vom dreigliedrigen Schulsystem. Damit reagieren sie auf die sinkende Attraktivität der Hauptschule und die Forderung, auch die schwächeren Schüler besser zu unterstützen. Zudem zwingt die Demografie vielerorts zur Zusammenlegung von Schulen.

Im Osten gab es die klassische Hauptschule ohnehin nie. In den vergangenen Jahren haben sich auch Länder wie das Saarland, Schleswig-Holstein und Hamburg von der Hauptschule verabschiedet. In den meisten anderen Ländern gibt es viele Kooperationen von Haupt- und Realschulen. Einzig Hessen steht fest zum dreigliedrigen System.

Die Wirtschaft sieht die Berliner Reform positiv: "Das geht in die richtige Richtung", sagte die Bildungsexpertin des DIHK, Sybille von Obernitz. Sehr hilfreich sei vor allem, dass nun für alle Schüler die Durchlässigkeit bis zum Abitur geschaffen werde, die das dreigliedrige System so nie bot. "Tendenziell richtig" sei auch, dass Gymnasien nun die Schüler nach einjähriger Probephase nicht mehr so leicht nach unten abgeben könnten. "Die neue Struktur allein sichert aber keinen höheren Erfolg", warnt von Obernitz, "dazu kommen muss die individuelle Förderung und bessere Lehrerausbildung". Der Generalsekretär des Handwerks, Eberhard Schleyer, fordert darüber hinaus Qualifizierung in der Vorschule, Ganztagsangebote und eine frühzeitige Berufsorientierung.

Auch die regionale Wirtschaft lobt das Projekt von Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD): Die Berliner IHK und das Handwerk bauen vor allem auf das Konzept des Dualen Lernens in der Sekundarschule. Das biete der Wirtschaft die Möglichkeit, mehr Einfluss auf die Schule zu nehmen, sagte IHK-Chef Jan Eder.

Konkret sollen die Berliner Sekundarschulen pro Klasse maximal 25 Schüler haben - gegenüber 29 oder mehr in den Gymnasien. Zudem werden alle Sekundarschulen Ganztagsschulen sein. Ob die Sekundarschulen die Schüler in Kurse aufteilen oder gemeinsam unterrichten, bleibt ihnen selbst überlassen.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin
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