Selbstbewusste Opposition
Grüne melden Führungsansprüche an

Die guten Umfragewerte geben den Grünen Selbstvertrauen. Die Partei, die immer im Schatten der SPD stand, meldet Führungansprüche an. „Wir spielen nicht auf Platz“, sagt die Bundesvorsitzende Claudia Roth. Fraktionschefin Renate Künast ergänzt: Der Erfolg beruhe nicht auf „Wohlfühlpolitik“.
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HB BERLIN/WÜRZBURG. Die Grünen melden angesichts ihrer Rekordumfragewerte einen bundespolitischen Führungsanspruch an und sehen sich gleichauf mit Union und SPD. Die Bundesvorsitzende Claudia Roth nannte am Samstag beim Grünen-Landesparteitag in Würzburg ehrgeizige Ziele für das Wahljahr 2011, darunter Siege bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Berlin. „Wir kämpfen in Berlin und Baden-Württemberg um den Sieg und spielen nicht auf Platz“, rief Roth vor gut 300 Delegierten. Ein weiteres Ziel sei der Einzug in die Landtage von Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, in denen die Partei bisher nicht vertreten ist.

Eine untergeordnete Rolle hinter der SPD wollen die Grünen nicht mehr akzeptieren: „Der SPD rate ich: Hört auf, beleidigt zu sein. Wir sind nicht euer Juniorpartner.“ Roth kündigte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und der Union eine weit schärfere Gangart als bisher an: Merkel sehe die Grünen als Hauptgegner, sagte sie. „Das nehmen wir gerne an, Gegnerschaft auf Augenhöhe. Aber macht euch nichts vor, das wird brutal hart, das wird heftig.“

Im Wahljahr 2013 arbeiten die Grünen laut Roth darauf hin, die schwarz-gelbe Regierung im Bund zu stürzen und in Bayern bei der Landtagswahl die CSU in die Opposition zu vertreiben. Scharf attackierte die Grünen-Chefin den CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer, dem sie wegen seiner Forderung nach einem Zuzugstopp für Arbeitskräfte aus fremden Kulturkreisen „beispiellose rechtspopulistische Hetze“ vorwarf. „Wir erleben eine CSU, die immer, wenn die Umfragewerte sacken, Sündenböcke sucht.“

Seehofer habe aus der CSU-Zentrale eine „Wechselstube politischer Positionen“ gemacht. „Worauf man sich bei der CSU verlassen kann, ist ein gnadenloser politischer Populismus, der die Ängste der Menschen nicht ernst nimmt, sondern schürt, und der mit bürgerlichem Anstand überhaupt nichts zu tun hat“, rief Roth den Delegierten zu.

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  • Sigmar Gabriel ist ein herausragender Politiker. ich mag Herrn Gabriel sehr, auch wenn ich ihn nicht persönlich kenne.

    ich glaube, dass Herr Gabriel nicht siner politischen Positionen wegen nicht gemocht wird. Und wenn das so ist, dann gibt es in Deutschland mehr als zwanzig Millionen pummelige oder knorkige Gründe, die dem Wunschbild eines Volkes im Auge des perfekten Politikers nicht entsprechen.

    An den politischen Äußerungen Gabriels jedenfalls gibt es nichts zu mäkeln. ich schätze die öffentlichen Auftritte von Herrn Gabriel wirklich sehr und Teile dessen politische Haltung.

    Also "Weltenbummlerin" [5] , erst denken, dann lenken.
    Für die Grünen hoffe ich, dass das politische Profil tatsächlich politische Macht entfaltet und nicht letzerdings auch auf die Schröder SPD zurück zu führen ist, von der die Kanzlerin bei den letzten Wahlen nur profitiert hat. Sie konnte ja kaum etwas zum politischen Erfolg beitragen, letzten Endes noch nicht einmal für ihre eigene Partei.

    ich glaube es gibt viele charismatische Frauen, die sich von Frau Merkel äußerst schlecht vertreten fühlen müssen.
    Katarina die Große kann sich unsere Kanzlerin als politisches ideal schon mal abschminken, sie wird es nicht mehr erreichen. Und das schon gar nicht mit einer unglaublich starken SPD.

  • Eine Kanzlerin Roth wäre ein Gewinn für uns alle, wenn man nur nicht den Gabriel als Vicekanzler in Kauf nehmen müßte. Dieser Typ fährt dann nicht nur seine SPD gegen die Wand, sondern ganz Deutschland.

  • Liebr Gott lasse Verstand regnen.
    Wenn die Grünen an die Macht kommen, dann gnade uns der da oben (Gott).
    ich brauche keine "Zwangssolaranlage" auf dem Dach.
    ich brauche auch keine "Zwangswärmedämmung".
    Das Gedächdnis der Leute scheint wirklich nur für Tage zu reichen.
    Hartz iV, steuerliche Entlastung der Großkonzerne, Absenkung des Spitzensteuersatzes, "Finanzmarktreform" alles "Verdienste" von ROT-GRÜN.
    Und wo diese Jünger alle so in den Konzernen untergekommen sind, bzw. für wen man so tätig wird, u.a. Joschka Fischer gemeinsam mit der Madeleine Albright. Auf einen kurzen Nenner gebracht gilt für Grün - Geld stinkt nicht.
    Wenn die das Sagen bekommen wird nicht mehr produziert, sondern nur noch verwaltet.
    Dann bekommt der Rest des Mittelstandes den Gnandenstoß. Aber was solls, dem Ackermann wird es egal sein, wer unter ihm regiert.

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