Senkung der Lohnkosten
IWH-Chef plädiert für höhere Mehrwertsteuer

Eine grundlegende Änderung des Steuer- und Sozialsystems bringt nach Ansicht des IWH ein stärkeres Wirtschaftswachstum. Die Senkung der Lohnkosten soll durch höhere Mehrwertsteuer aufgefangen werden.

HB BERLIN. Der neue Chef des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Ulrich Blum, hat einen radikalen Umbau des Steuer– und Sozialsystems vorgeschlagen. «Wir müssen uns ernsthaft überlegen, ob wir es uns leisten können, den ganzen Luxus des Sozialstaates weiter den Arbeitskosten zuzuordnen», sagte Blum der Nachrichtenagentur dpa. Es könne nicht mehr so weiter gehen, dass für einen Beschäftigten mit einem Stundenlohn von sechs bis sieben Euro, der Arbeitgeber Kosten von bis zu 40 Euro hat.

Blum schlägt vor, die Mehrwertsteuer jedes Jahr in einem klar vorgegebenen Rhythmus zu erhöhen und dafür die Sozialkosten, beginnend beispielsweise mit den monatlichen Beiträgen des Arbeitgebers zur Pflegeversicherung, entsprechend zu senken. Indem der Konsum mehr besteuert werde, könnten durch Umverteilung die Steuerlasten für die Arbeitgeber für die Kosten zum Sozialsystem sinken. Geringere Lohnkosten würden die Beschäftigung erhöhen und damit letztlich auch die Nachfrage anregen.

«Wir brauchen radikale Reformen - aber man muss sie nicht radikal ausführen. Mit einem vernünftigen Zeitrahmen ist vieles machbar», sagte Blum. Momentan habe Deutschland sehr viele Jahrgänge im Erwerbsalter. Dies sei vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung günstig. Es sei aber an der Zeit, jetzt die Dinge anzugehen, bevor der Mangel an Fachkräften eintreten werde und noch weiter steigende Alterslasten Reformen erschweren.

«Die internationale Arbeitsteilung und die Informationswelt haben sich in den letzten 15 Jahren mit rasanter Geschwindigkeit verändert. Nur die Gesellschaft in Deutschland will aber die dramatische Verschärfung der Wettbewerbsintensität nicht wahrhaben - das haben wir verpennt»,sagte Blum.

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