Sensationserfolg bei Berlin-Wahl
Erster Pirat hängt seinen Beruf an den Nagel

Martin Delius hat sich entschieden. Für die Politik. Der Jungparlamentarier der Berliner Piratenpartei gibt seinen Job auf. Im Interview spricht er über sein neues Leben als Politiker und die Zukunft der Piraten.
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Handelsblatt Online: Herr Delius, 15 Piraten ziehen ins Abgeordnetenhaus ein. Werden sie alle ihre Berufe dafür an den Nagel hängen?

Martin Delius: Über diese Frage muss sicher jeder einzelne Mandatsträger selbst entscheiden. Ich selbst werde meine derzeitige Anstellung aufgeben, um Vollzeit mein Mandat wahrnehmen zu können.

Die Piraten sind, was Parlamentsarbeit angeht, noch unerfahren. Werden Sie sich externe Unterstützung holen – beispielsweise den ehemaligen SPD-Bundestagsabgeordneten Jörg Tauss?

Wir bekommen bereits zu den Vorbereitungen der Konstituierung unserer Fraktion von vielen Seiten Hilfe und Hilfsangebote, die wir immer wieder dankend annehmen. Herrn Tauss haben wir nicht angefragt und sehen auch keine Notwendigkeit dies zu tun.

Wie wollen Sie den etablierten Parteien begegnen, mit welchen Themen wollen Sie ihnen Paroli bieten?

Wir wollen eine konstruktive und offene Oppositionsarbeit leisten. Dazu müssen wir mit den anderen Parteien in allen Themenbereichen zusammenarbeiten. Wir werden uns zuerst mit den traditionellen parlamentarischen Gepflogenheiten auseinandersetzen und diese im Sinne der Transparenz kritisch hinterfragen. Es wird sich zeigen wie viele gute Argumente sich für "Althergebrachtes" in der Politik finden lassen, die auch Piraten überzeugen können.

„Transparenz“ war einer ihrer Schlüsselbegriffe im Wahlkampf. Wie wird im Parlamentsalltag aus dem theoretischen Begriff praktische Politik?

Wir werden unsere ersten Schritte in den parlamentarischen Betrieb auf unserem Blog dokumentieren. Die interessierte Öffentlichkeit darf sich auf live übertragene Fraktionssitzungen, öffentliche Protokolle zu Sitzungen, Treffen und andere Vorgänge freuen.

Seite 1:

Erster Pirat hängt seinen Beruf an den Nagel

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"Wollen 5-Prozent-Hürde auf Bundesebene überschreiten"

Kommentare zu " Sensationserfolg bei Berlin-Wahl: Erster Pirat hängt seinen Beruf an den Nagel"

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  • Das hat schon bei den Grünen nicht funktioniert: Eine Partei als Bewegung ohne Programm, konfus oder zum Teil chaotisch hinzustellen.

    Was den Grünen die grüne Bewegung in den 80er und 90er war, ist heute die Nutzung des Internets für die Generation Web 2.0 ihren sog. Piraten, die ihre "Waffen" nutzen werden.

    Wenn es nur ein wenig gelingen sollte, politische Entscheidungsprozesse ein wenig transparenter zu machen, hätten die Piraten die erste Schlacht gewonnen.

    Und sie hat das Potenzial, die Nichtwähler und die Enttäuschten unter den u30 neu zu motivieren.

    Pirates: Keep on fighting:

    Yours

    Jack Sparrow

  • Das hat schon bei den Grünen nicht funktioniert, eine Wählergemeinschaft oder gar eine Partei als desorientiert, z.T. konfus und chaotisch hinzustellen.

    Was in den Achtzigern die "grüne Bewegung" war, ist heute die Internet-Gemeinde, die sich nicht mehr bevormunden lassen will.

    Was Transparenz und Herstellung von Nachvollziehbarkeit von politischen Entscheidungsprozessen anbelangt, haben wir hier eine erste "Bewwegung" im Lande, die sehr schnell weitere Anhänger gewinnen kann, soll und muss, zumahl sich diese "Bewegung" nicht in links oder rechts, schwarz, grün oder rot einorden lassen.

    "Pirates of Berlin": Keep on fighting !

    Ja Ihr werdet schneller wahrgenommen, als es Ihr Euch jetzt noch nicht mal erträumt.

  • Die "Selbstvermarkter" sind konsequent.

    Statt Demokratie eine neue Partei - mit frischeren, unbeschwerteren Gesichtern. Ein leckeres "Light-Produkt".

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