Serie: Globalisierung konkret: Lufthansa findet billige Logistiker am Kap

Serie: Globalisierung konkret
Lufthansa findet billige Logistiker am Kap

Kommunikation über tausende von Kilometern: In Kapstadt entscheiden Mitarbeiter eines Call-Centers, wie Lufthansa-Flugzeuge in Deutschland beladen werden.

KAPSTADT. Aufmerksam schaut Cherise Esau auf den Computermonitor. Die 20-Jährige hat gerade errechnet, wie sich die Fracht der von ihr betreuten Condor-Maschine am besten auf das Flugzeug verteilen lässt. Nun erklärt sie dem Lademeister im 9 500 Kilometer entfernten Stuttgart in gutem Deutsch, wo Cargo, Post und Koffer im Stauraum hinsollen. „Eigentlich wollte ich nach dem Matrik (dem südafrikanischen Abitur) an der deutschen Schule Kapstadt ja Logopädie studieren“, erzählt sie. „Aber als ich merkte, dass mir das keinen Spaß macht, habe ich mich bei Lufthansa Global Load Control beworben.“

Seit 2004 arbeitet die Farbige zusammen mit 60 weiteren Mitarbeitern bei der Flugzeugabfertigung der Lufthansa in der Kapstädter City – im ersten Ladekontrollzentrum der Lufthansa außerhalb Deutschlands. Die Hälfte der Mitarbeiter sind junge Südafrikaner. Ein knappes Drittel kommt aus Deutschland, weitere 20 Prozent aus aller Welt.

Insgesamt erstellt die Kapstädter Zweigniederlassung jeden Tag 500 Abfertigungsberichte, die neben den Beladungsdaten auch die Zahl der Passagiere und die Treibstoffmenge enthalten. Bearbeitet werden fast alle Condor-Flüge sowie viele Kurz- und Mittelstreckenflüge der Lufthansa. Die deutsche Mitbestimmung verhindert jedoch, dass Südafrika noch stärker von der Globalisierung der Dienstleistungsmärkte profitiert. Denn die Gewerkschaft hat zugunsten deutscher Arbeitnehmer durchgesetzt, dass in Deutschland startende Langstreckenflüge nur in den beiden heimischen Load-Control-Zentren in Frankfurt und München abgewickelt werden.

„Allgemein schafft ein Agent bei uns pro Schicht 25 bis 30 Kurz- und Mittelstreckenflüge, womit unsere Produktivität höher als in Deutschland ist“, sagt Roswitha Becker mit sichtbarem Stolz. Die Südafrikanerin, die einen Teil ihrer Jugend in Deutschland verbrachte, ist mit nur 22 Jahren gerade ins Management aufgerückt. In Kürze soll sie dort ihren deutschen Ausbilder Martin Derr ablösen. Neben der Flugzeugabfertigung betreibt die Lufthansa in Kapstadt seit 1999 gleich nebenan ein Call-Center mit inzwischen fast 200 Mitarbeitern. Damit gehörte die deutsche Airline zu den ersten Unternehmen, die Südafrikas Potenzial als Dienstleistungsstandort erkannt und frühzeitig genutzt haben.

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