Serie Zukunft der Arbeit
Schlechte Zeiten für schlecht Ausgebildete

Das Kernproblem des deutschen Arbeitsmarkts ist weitaus schneller beschrieben als gelöst: Ein gutes Drittel der Arbeitslosen – fast 1,5 Millionen Menschen – hat derzeit keinerlei Berufsabschluss und bringt daher denkbar schlechte Voraussetzungen für die Stellensuche mit.

Zugleich läuft der Strukturwandel der Wirtschaft gegen sie: Seit 1996 ist die Zahl der Beschäftigten ohne Berufsabschluss um annähernd eine halbe Million auf 4,5 Millionen geschrumpft. Und während Fachkräfte immer stärker gesucht werden, stehen bis 2030 noch einmal zwei Millionen Einfachjobs auf dem Spiel, rechnet das Basler Prognos-Institut vor.

Das Problem zeigt sich auch konkret an der aktuellen Arbeitsmarktentwicklung: Wer seine Stelle erst vor kurzer Zeit verloren hat und noch gut auf die Anforderungen der Wirtschaft eingestellt ist, findet zunehmend leichter neue Arbeit. Dank Konjunkturaufschwung und verbesserter Arbeitsvermittlung geht die Gesamtzahl der Arbeitslosen seit einigen Monaten messbar zurück. An den so genannten Problemgruppen aber läuft der Trend vorbei: Trotz Hartz-IV-Reform, die das „Fördern und Fordern“ verbessern soll, ist der Anteil der Langzeitarbeitslosen seither von 35 auf 43 Prozent gestiegen.

Immerhin kann ein Blick in die fernere Zukunft ganz neue Wege zur Abhilfe eröffnen. Jedenfalls theoretisch: Mit dem demographischen Wandel wachsen weniger junge Menschen nach. Das heißt zwar nicht, dass für sie Arbeitsplätze automatisch weniger knapp sein werden. Es bietet sich aber die Chance, künftige Generationen besser auszubilden. Und das wäre wohl der Idealweg, das Problem der Geringqualifizierten zu lösen.

Nach Prognosen der Kultusministerkonferenz sinkt die Zahl der Schulanfänger von zuletzt 862 000 bis 2020 um fast 15 Prozent auf 736 000. Das löst nicht die Strukturprobleme eines Schulsystems, dessen Leistungen nach den Resultaten zweier Pisa-Tests bisher alles andere als überzeugend sind. Die Schulbildung könnte sich künftig aber doch stark verbessern, wenn je Schüler mehr Ressourcen verfügbar sind, die sich etwa für kleinere Klassenstärken und intensive Ganztagsbetreuung nutzen lassen. Prognos schätzt diese „Demographie-Dividende“ für die Zeit bis 2020 immerhin auf 100 Mrd. Euro.

Darf man also hoffen, dass die Unternehmen alsbald ganz von selbst allen jungen Menschen Ausbildungs- oder Arbeitsverträge anbieten, weil diese so gut gebildet sind? „Eindeutig nein“, warnt Jens Prager, Projektleiter der Bertelsmann-Stiftung. Und zwar schon deshalb, weil besagte Milliarden-Dividende kaum im Bildungssystem bleiben dürfte. Selbst amtierende Schulminister haben in Reaktion auf die schöne Prognose schon öffentlich bezweifelt, dass die Finanzminister dabei mitmachen.

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