Sexismus-Debatte: Kubicki wirft „Stern“ Tabubruch vor

Sexismus-Debatte
Kubicki wirft „Stern“ Tabubruch vor

Der FDP-Politiker beschuldigt das Magazin, seinem Parteikollegen Brüderle politisch schaden zu wollen. Persönliche Kontakte zu Journalistinnen will er einschränken. Grünen-Chefin Roth dagegen fordert eine Entschuldigung.
  • 168

Berlin/LeipzigFDP-Vorstandsmitglied Wolfgang Kubicki wirft dem Magazin „Stern“ vor, FDP-Bundesfraktionschef Rainer Brüderle mit der Veröffentlichung von Sexismus-Vorwürfen politisch schaden zu wollen. Im Interview mit der Zeitung „Bild am Sonntag“ sagte Kubicki: „Der 'Stern' behauptet, er wolle damit das Thema Sexismus in der Politik aufgreifen. Ich sehe einen ganz anderen Grund: Hier soll ein Hoffnungsträger der FDP mutwillig beschädigt werden. Die 'Stern'-Chefredaktion sollte sich die Frage stellen, ob sie das Blatt auf ein Niveau bringen will, dass man es nicht mehr empfehlen kann.“

Dann fügte der Fraktionsvorsitzende der Liberalen im Landtag von Schleswig-Holstein hinzu: „Hier wurde eine Geschichte zu einem Skandal aufgeblasen, der keiner ist.“ Kubicki warf dem Magazin einen „Tabubruch“ vor und will wegen der Affäre persönliche Kontakte zu Journalistinnen einschränken: „Bislang waren abendliche Gespräche ob beim Essen oder nach einem Parteitag an der Hotelbar ein durch Vertraulichkeit geschützter Bereich.“

In Zukunft aber werde er keine Journalistinnen mehr als Wahlkampfbegleitung in seinem Fahrzeug mitnehmen. „Und ich werde künftig Situationen wie Gespräche an der Hotelbar meiden, wenn Journalistinnen beteiligt sind. Denn natürlich rutscht einem da schon mal eine lockere und nicht gelungene Bemerkung heraus. Jetzt muss ich damit rechnen, dass das gegen mich verwendet wird.“

Brüderle nahm bislang keine Stellung zu den Vorwürfen der betreffenden „Stern“-Journalistin. In einem Interview mit dem „Focus“, das am Samstag vorab veröffentlicht wurde, sagte er auf Nachfrage bloß: „Kein Kommentar.“

Die Journalistin Laura Himmelreich schilderte in einem Porträt über Brüderle unter anderem eine Situation vor gut einem Jahr, bei welcher der 67-Jährige auf ihre Brüste geschaut und gesagt haben soll: „Sie können ein Dirndl auch ausfüllen.“ Mitte des Monats hatte schon eine Autorin von „Spiegel Online“ über Diskriminierung durch Mitglieder der Piratenpartei berichtet.

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier sprach sich für „professionelle Distanz“ zwischen Politikern und Journalisten aus. Im Gespräch mit der „Leipziger Volkszeitung“ sagte er, angesichts der Debatte um Sexismus im Alltag gebe es neben dem Verzicht auf Heuchelei nur einen Grundsatz, „den sich Politiker – und vermutlich nicht nur die – auferlegen müssen: nämlich professionelle Distanz wahren!“.

Auf die Frage, ob ihm FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle leidtue, sagte Steinmeier: „Wenn ihm Unrecht geschieht, tut er mir leid. Ob das der Fall ist, weiß er nur selbst.“ Wer in Spitzenpositionen der Politik einrücke, müsse „wissen, dass sie in der ersten Reihe stehen und sich deshalb einer neuen öffentlichen Durchleuchtung unterziehen müssen“, sagte Steinmeier. „Herr Brüderle ist ja nicht der Erste, der das erlebt.“

Er glaube, dass die Nähe zwischen Medien und Politik nicht wirklich größer geworden sei. „Mein Eindruck ist, dass in den alten Bonner Verhältnissen die persönlichen Beziehungen zwischen Politik und Presse eher dichter waren als heute“, sagte Steinmeier weiter. Heute seien die Bedingungen gänzlich andere. „Der Konkurrenzdruck ist unendlich gewachsen, der kurzfristige Verwertungsaspekt einer Information viel wichtiger geworden als alles andere.“ Die Distanz habe insgesamt eher zugenommen.

Seite 1:

Kubicki wirft „Stern“ Tabubruch vor

Seite 2:

Viel Gezwitscher im Internet

Kommentare zu " Sexismus-Debatte: Kubicki wirft „Stern“ Tabubruch vor"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Herr Kubicki Sie haben absolut Recht .

    2.) wenn sich die Dame belästigt fühlte , hätte sie direkt schlagfertig
    antworten sollen, falls dazu nicht in der Lage – schlimmstenfalls am nächsten Tag´-

    aber jetzt nach einem Jahr durchsichtiges billiges Manöver , auf einer Stufe
    mit den aberwitzigen Vorwürfen gegen DKS ( strauss-kahn) seitens der illegall eingereisten „Dame „ aus der Drogenszene, fehlt halt nur noch der Vorwurf der versuchten Vergewaltigung.
    Wenn alle Versuche unsere Demokratie mittels ( manipulierter ? ) Demoskopien
    Durch eine „Jurnalistokratie“ zu ersetzen fehlgeschlagen sind , muss halt die Sexualsphäre her um Effekte zu erzielten ( vergl Clinton/Lewinsky)



  • Mir geht dieser dubiose FDP Politoligarch mit seinen Aussagen seit langem aufn Keks, ebenso empörtes Sexrumgeschmarri.

    An exotischen Stränden tummeln sich Maennlein und brave Weiblein mit ihren lovers.
    Zuhus im Kirchenvorstand.... Protestantisches Bürgertum und christliche Scheinheiligkeit, tolle Paarung.

  • GNTM, germanys next Top Model ist auch sexistisch. Und der Bohlen auch.
    Den Bachelor darf man auch nicht vergessen. Und und und
    Deswegen gucke ich kaum noch fern und hole mir meine Infos im ( pornographisierten ) Internet, etwa beim HB, aber auch bei anderen GEZ freien Medien. Denn die Öffentlich-Rechtlichen haben es trotz Zuständigkeit nicht geschafft, in zwanzig Jahren Gender Mainstreaming in Deutschland eine Debatte wie den Aufschrei zu verhindern. Statt dessen haben sie seelenruhig zugeschaut, wie mit der Pornographisierung des Internets sich auch unsere Gesellschaft pornographisierte. Und nun stehen wir da, und im Jahre 2013, auf dem supioptimalen Höhepunkt des technischen Fortschritts wird deutlich, dass Viele damit eigentlich ein Riesenproblem haben. Und dass Sexismus nix ist, was sich Frauen hysterisch zusammenphantasieren, sondern Alltag. Dass dieser Alltag für die Betroffenen zur Hölle werden kann.
    Ich freue mich, dass im Puff Europas und Heimat des weltweiten Pornokönigs Thylmann, des Mega-Schmitzs und des Bushido und der Top-Klum und von Aufsichtsräten, die sich auf firmenkosten Prostituierte bestellen, nun endlich diese längst überfällige Diskussion beleuchtet, wie die Rezipienten des Sexualverhaltens heutiger Männer, also etwa die Frauen unter # Aufschrei auf Twitter, das dann so sehen. Denn die hat bislang ja noch keiner gefragt. Genauswenig wie damals die Dame von Deep Throat, der beim Französisch Total, wie es ja so schön heißt, ich glaube in diesem Streifen erstmals auf Lainwand, eine Knarre an den Kopf gehalten wurde, weil sie anders nicht dazu zu bewegen war. Dieser Film war ja sozusagen die Geburtsstunde der Salonfähigkeit des Pornos, so in den Sechzigern, da war der Brüderle bestimmt auch scho im Kino, damals, in Deep Throat.
    Ja, was unsere Sexualnormen angeht, da spielen die Medien echt eine Riesenrolle.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%