Sexismus, Rassismus, Antisemitismus
Wie ein Pirat seiner Partei Manieren beibringen will

Der interne Streit der Piratenpartei eskaliert: In einem Blog werden sexistische Äußerungen von Parteimitgliedern dokumentiert. Kritiker nennen das eine „Pranger“, der Initiator spricht von einer „Verteidigungsreaktion“.
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DüsseldorfMarina Weisband hatte die Gefahr kommen sehen. Beim Parteitag der Piratenpartei in Offenbach hatte sich die politische Geschäftsführerin mit einer „persönlichen Bitte“ an die Parteimitglieder gewendet. Die Piraten sollten einander zuhören, sagte sie mit Blick auf die zum Teil harte Streitkultur ihrer Partei. „Reißt euch zusammen, streitet Euch weiter, aber tut es produktiv und tut es auf einer sachlichen Ebene“, appellierte die Chef-Piratin. „Wir sind hier keine Feinde.“

Wirklich nicht? Fast fünf Monate nach Weisbands Auftritt scheint es fast so, als seien die Piraten zerstrittener als je zuvor. Mitten im größten Höhenflug der Parteigeschichte und kurz vor der wichtigen Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen macht die Partei mit internen Querelen Schlagzeilen. Die Vorwürfe, die dabei von Mitgliedern gegen Mitglieder erhoben werden, haben es in sich:  Rassismus, Sexismus und Antisemitismus.

In einem Blog werden jetzt die schlimmsten Verbalentgleisungen von Parteimitgliedern dokumentiert. Viele Piraten verurteilen die öffentliche Zurschaustellung und wehren sich gegen den „Internet-Pranger“. Der Initiator der Aktion sieht das anders: Er spricht im Interview mit Handelsblatt Online von einer „Verteidigungsreaktion“.

Aber der Reihe nach.

Den Stein ins Rollen gebracht hatte die pirateneieigene Jugendorganisation, die vor knapp zwei Wochen einen geharnischten offenen Brief an die übrigen Parteimitglieder schrieb. Seit geraumer Zeit betrachte man die „Verhältnisse innerhalb der Piratenpartei mit großer Sorge und zunehmendem Ärger“, hieß es in dem Schreiben. Immer wieder würden Mitglieder der Partei durch „rassistische, sexistische, aber auch anderweitig diskriminierende Aussagen oder Verhaltensweisen“ auffallen, klagte der Piratennachwuchs und forderte eine kritische Auseinandersetzung mit dem Problem.

Seither tobt in Foren und beim Kurznachrichtendienst Twitter eine heftige Debatte. Die einen finden, der Vorstoß der jungen Piraten gehe in die richtige Richtung, andere halten den offenen Brief für kontraproduktiv.

Keine gute Figur machte der Bundesvorstand, als er versuchte, das Thema klein zu reden. Die Jungpiraten würden die Sache „sehr vereinfacht und sehr einseitig“ darstellen, ließ sich der Vorsitzende Sebastian Nerz von „Spiegel Online“ zitieren. Der stellvertretende Piratensprecher Aleks Lessmann sagte, in jeder Partei gebe es „zehn Prozent Idioten“.

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Amputierte Genitalien und Vergewaltigung

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Die Kontrolle verloren

Kommentare zu " Sexismus, Rassismus, Antisemitismus: Wie ein Pirat seiner Partei Manieren beibringen will"

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  • Dito. Ich mag die Transparenz und die Basisdemokratie und ich stehe zur freien Meinungsäußerung. Es ist traurig, wenn sich nun auch die Piraten den Mund verbieten lassen, sei es von aussen oder von den eigenen Leuten. Jeder soll sagen dürfen, was er meint, auch wenn es mal sexistisch oder rassistisch ist. Und vor allem auch dann, wenn es nicht der Meinung der Fraktion entspricht. Fernen kann man im Web nicht beurteilen, was ironsich gemeint ist, was ein Scherz sein soll und was bitterernst ist. Und wenn jemand einen sinnlosen Krieg führt, dann darf er sich das ruhig auch mal anhören.

  • Positive nachricht, dass die Piraten mal den Schattenkomplex ESM durchleuchten wollen.Noch ein Grund mehr, die Piraten zu wählen.
    Schiff ahoi!

  • Nixon alias "tricky dick" hat damals auch Gespräche ohne das Wissen anderer mitgeschnitte.

    Alles in bester Ansicht natürlich, genau wie bei IM Loepelmann.

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