Sexismus-Vorwürfe: Brüderle schweigt eisern

Sexismus-Vorwürfe
Brüderle schweigt eisern

„Stern“-Chefredakteur Thomas Osterkorn hat den Artikel über angebliche anzügliche Äußerungen von Rainer Brüderle verteidigt. Der FDP-Fraktionschef selbst schweigt . Längst geht es in der Debatte nicht mehr nur um ihn.
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BerlinDie angeblichen anzüglichen Äußerungen von FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle zu einer „Stern“-Mitarbeiterin waren nach Darstellung des Blattes kein Einzelfall. Die Autorin Laura Himmelreich habe den FDP-Politiker ein Jahr lang immer wieder begleitet und dabei die Erfahrung gemacht, dass Brüderle fast bei jeder Begegnung ähnliche Bemerkungen gemacht habe, sagte „Stern“-Chefredakteur Thomas Osterkorn am Sonntag in der ARD-Sendung „Günther Jauch“. „Sie hat ein Bild eines Mannes gezeichnet, der ein Problem im Umgang mit Frauen hat, mindestens verbal.“

Osterkorn verteidigte die Veröffentlichung des Artikels genau nach der Ernennung Brüderles zum Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl, obwohl die darin beschriebenen Vorgänge schon gut ein Jahr zurücklagen. „Das, finde ich, ist ein richtiger Anlass, so einen Artikel, das Substrat aus einer einjährigen Begleitung, dann zu veröffentlichen.“

Rainer Brüderle selbst schweigt weiterhin eisern zu den Sexismus-Vorwürfen. Beim Neujahrsempfang der NRW-FDP am Sonntag in Düsseldorf erwähnte er die Affäre mit keinem Wort. Zugleich erhält der 67-Jährige immer mehr Rückendeckung von Parteifreunden. Auch im Internet ist die Debatte über Sexismus in der Gesellschaft in vollem Gange. Dort wird Brüderle für seine angeblichen anzüglichen Äußerungen zu einer „Stern“-Mitarbeiterin auch attackiert.

Die Hamburger FDP-Fraktionschefin Katja Suding sieht FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle nach den Sexismus-Vorwürfen einer Journalistin nicht unter Zugzwang. Eine öffentliche Entschuldigung sei unnötig, sagte sie dem Hamburger Abendblatt (Montagausgabe). "Überall, wo Menschen aufeinandertreffen, wird nun einmal auch geflirtet", sagte sie. Trotz der anhaltenden Debatte halte sie den Ruf des FDP-Fraktionsvorsitzenden im Bundestag für "nicht beschädigt".

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) forderte seine Partei zu Solidarität mit ihrem Frontmann auf. Für den Mann an der Spitze gebe es bei den politischen Konkurrenten und „in einigen Redaktionsstuben kein Pardon mehr“. Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel kritisierte die „Stern“-Journalistin Laura Himmelreich, die den Artikel geschrieben hatte. „Ich halte es für eine ziemliche Unverschämtheit von der Dame vom "Stern", die nach einem Jahr, nachdem sie sich belästigt gefühlt hat, dann, wenn jemand eine neue politische Funktion übernimmt, dieses Ereignis verarbeitet“, sagte er in der ZDF-Sendung „Berlin direkt“. „Das hat nichts mit gutem Journalismus zu tun.“ Ein Jahr zu warten und dann zu skandalisieren, spreche für sich.

Schleswig-Holsteins FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki warf dem „Stern“ in der „Bild am Sonntag“ vor, Brüderle schaden zu wollen. Er habe ihm aber von einer Klage gegen das Magazin abgeraten. „Denn der Beitrag enthält, soweit ich das überblicken kann, keine falschen Tatsachenbehauptungen.“ Für sich selbst wolle er aus der Debatte Konsequenzen ziehen. Zum Beispiel werde er Gespräche an Hotelbars vermeiden, wenn Journalistinnen dabei seien. „Denn natürlich rutscht einem da schon mal eine lockere und nicht gelungene Bemerkung heraus. Jetzt muss ich damit rechnen, dass das gegen mich verwendet wird.“

Nach einer repräsentativen Emnid-Umfrage für die „Bild am Sonntag“ halten 90 Prozent der Bürger eine Entschuldigung Brüderles für angemessen, sollten sich die Vorwürfe als wahr herausstellen.

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Brüderle schweigt eisern

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Die Sexismus-Debatte ist dringend notwendig

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  • Was soll eigentlich diese ekelhafte Sache samt Debatte, noch dazu im HB?

    Und dann dieses in derselben Wirtschaftszeitung:

    http://www.handelsblatt.com/images/fashion-model-health/6319042/5-format20.jpg

    Ich habe nichts gegen diesen redaktionellen Beitrag, aber dann, bitte, muß man auch die impliziten Folgen in Kauf nehmen.

    Wie groß war eigentlich das Dekolleté der Dame bei dem Interview mit Herrn Brüderle?

  • Einer geht noch.

    Frau Himmelreich, Sie können ja nicht mal ein Dirndl ausfüllen und ihr journalistisches Können reicht nur dafür aus, gegen Mitternacht an irgendwelchen Bars herumzustehen. Sie taugen ja nicht mal zur Weinkönigin und sind so schlagfertig wie ein 20 Jahre alter Becher Schlagsahne.

    Für diese Art von Journalismus braucht man keinen Schädel in der Größe einer Honigmelone. Birnen- oder Erbsengröße reicht aus.

  • http://take-ca.re/ug.htm

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