Sexuelle Belästigung: Jeder Zweite ist betroffen

Sexuelle Belästigung
Jeder Zweite ist betroffen

Jeder zweite Arbeitnehmer hat einer repräsentativen Umfrage zufolge schon einmal sexuelle Belästigung erlebt. Hinzu kommen gravierende Wissenslücken der Beschäftigten, was bereits Belästigung sein kann.
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BerlinDie Antidiskriminierungsstelle des Bundes ist alarmiert über anscheinend weitverbreitete Wissenslücken zum Thema sexueller Missbrauch am Arbeitsplatz. Sie veröffentlichte am Dienstag in Berlin eine Umfrage, wonach gesetzlich garantierte Schutzrechte vielfach unbekannt sind und mehr als 70 Prozent der Befragten keine zuständigen Ansprechpartner im Betrieb kennen. Die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle, Christine Lüders, sprach von einem „unhaltbaren Zustand“.

Der von der Regierungsstelle in Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage zufolge gaben 49 Prozent der befragten Frauen und 56 Prozent der Männer an, sie hätten sexuelle Belästigung in einer der gesetzlich definierten Formen bereits erlebt oder beobachtet. Dazu zählt demnach alles von ungewollten sexuellen Handlungen und Berührungen bis hin zum Zeigen pornografischer Darstellungen oder Bemerkungen sexuellen Inhalts.

Allerdings war nur 17 Prozent der Frauen und sieben Prozent der Männer anscheinend klar, dass es sich bei den von ihnen erlebten Handlungen überhaupt um eine sexuelle Belästigung handelte. So hoch jedenfalls war laut Antidiskriminierungsstelle der Anteil derer, die bei der Umfrage vorher angaben, dergleichen schon erlebt zu haben.

Zugleich gaben 92 Prozent der Befragten an, dass sie wüssten, dass sexuelle Belästigung verboten sei. Details zu gesetzlich garantierten Schutzrechten aber waren demnach „weithin unbekannt“. So kannten 46 Prozent keine entsprechenden Schutzmaßnahmen ihrer Firma.

Vielen Personalabteilungen sei anscheinend nicht bewusst, dass Arbeitgeber von sich aus aktiv Hilfen anbieten müssten, kritisierte Lüders. Sexuelle Belästigung im Betrieb dürfe nicht folgenlos bleiben.

Die Ergebnisse der Umfrage werden den Angaben zufolge in die Arbeit einer Expertenkommission einfließen, welche die Antidiskriminierungsstelle gebildet hat. Sie befasst sich nicht allein mit sexueller Belästigung, sondern auch mit der Lage von Frauen in prekären und illegalen Arbeitsverhältnissen sowie der Diskriminierung trans- und intergeschlechtlicher Menschen am Arbeitsplatz. Geleitet wird sie vom ehemaligen Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und Jutta Allmendiger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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  • Mit der Ausbreitung des Islams , werden in Zukunft die Frauen Burka tragen und dann wird die sexuelle Belästigung stark abnehmen. Da sexuelle Belästigung schon
    das anschauen von Frauen ist , die schöne Beine zeigen und das auch zu einem bestimmten Zweck tun,, würden auch getrennte Bürgersteige und Trennung von Frauen und Männer in Firmen helfen. Lol.

    Genau wie Jugendmobbing, hier stellte das Erste eine Klasse aus lauter Blonden Schüler zusammen, die das verteidigen gegen Mobbing übten.

    Wo waren die 70% Muslime, Migranten die es in Klassen gibt?

    Hier liegt das Problem Alles Mobbing am Bürger! Was nicht passt wird weggemobbt.

  • Bei genauer Betrachtung der Entwicklung in den Unternehmen, mit denen ich zu tun habe, kann ich gar nicht mehr übersehen, dass da so etwas wie eine allgemeine Etablierung eines gutsherrlichen Klimas in den Vorständen und zunehmend auch in den unteren Etagen einkehrt.

    Dass im Kontext mit der Transformation der "Mitarbeiter" in der sozialen Marktwirtschaft in das "Personal" in der post-demokratischen Wirtschaftsordnung der Kohl-Genscher-Ära und nun in das "Humankapital" der Neuen Sozialen Marktwirtschaft, auch die Entwertung und Entwürdigung der Mitarbeiter/-innen in den heutigen Unternehmen immer extremere Ausformungen annimmt, ist für alle Mitarbeiter/-innen spürbar. Nur die Harten, die bei den Führungs-, Leitungs- und Lenkungskräften um jeden Preis voran kommen wollen, "merken nix", können aber mit dem bekannten Schrei "Kentucky will f....."die Barriere der sexuellen Belästigung überwinden und machen aus der Not eine Tugend, so wie einst bei den Kurtisanen, den Kokotten, den Pompadurs und du Barry's.

    Ich bin gespannt, wann das Rechte der ersten Nacht durch die Klientel- und Lobbygruppeninteressenvertretungsparlamentaristen für die jeweiligen Vorstandssprecher oder deren Vertreter gefordert wird, um den Investitionsstandort Deutschland auch für ausländische Investoren noch interessanter zu machen.

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