«Shareholder Value nicht die einzige Größe»
Kabinett treibt Gesetz zu Managergehalt voran

HB BERLIN. Noch vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen will die Bundesregierung das Gesetz zur Offenlegung von Managergehältern auf den Weg bringen. Am kommenden Mittwoch werde das Kabinett den Entwurf beschließen, kündigte Bundesjustizministerin Brigitte Zypries in der «Bild am Sonntag» an, wie die Zeitung vorab berichtete. «Das Gesetzgebungsverfahren könnte dann im Herbst dieses Jahres abgeschlossen sein», so die SPD-Ministerin.

Das Gesetz solle «nicht die allgemeine Neugier stillen oder Neidmotiven nachgeben», erläuterte Zypries. «Uns geht es um Kontrolle durch Transparenz. Je mehr Einblick die Aktionäre haben, desto seltener kommt es zu Auswüchsen bei den Vorstandsbezügen.» Die Eckpunkte des Gesetzes hatte Zypries schon im März vorgestellt. Demnach soll es nur für die fast 1000 börsennotierte Aktiengesellschaften gelten.

Jedes einzelne Vorstandsmitglied soll damit verpflichtet werden, seine gesamten Bezüge offen zu legen. Zypries betonte allerdings, dass die endgültige Entscheidung über die Veröffentlichung bei den Aktionären liege. Die Anteilseigner könnten auch entscheiden, dass die Angaben nicht offen gelegt werden müssen. Dazu sei ein Beschluss der Hauptversammlung mit Dreiviertelmehrheit erforderlich.

In der Kapitalismusdebatte stellte sich Zypries hinter SPD-Chef Franz Müntefering. Sie teile dessen Auffassung, «dass es Aufgabe des Staates ist, Auswüchse des Kapitalismus zu begrenzen», sagte sie. Selbstverständlich müsse es einem Manager erlaubt sein, Gewinn zu machen. «Aber Shareholder Value ist eben nicht die einzige Größe, die ein verantwortungsbewusster Unternehmensführer im Auge haben muss», betonte Zypries. «Mit der Führung eines Unternehmens hat der Manager auch ein hohes Maß an sozialer Verantwortung für seine Mitarbeiter übernommen.»

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