Sharing Economy
Teilen nach Regeln

Die Sharing Economy kommt auf dem Prüfstand: Aus der Idee des Teilens ist ein großer, aber ziemlich unübersichtlicher Wirtschaftszweig entstanden. Verbraucherschützer fordern neue Regeln.
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BerlinTeilen hat Konjunktur. Ob es die berühmte Bohrmaschine ist, die an den Nachbarn ausgeliehen wird, Carsharing oder die Vermietung von Privatwohnungen an Reisende – die Sharing Economy ist mit unzähligen unterschiedlichen Geschäftsmodellen in verschiedensten Märkten extrem unübersichtlich.

Zu unübersichtlich, finden Verbraucherschützer. Klaus Müller, Deutschlands oberster Verbraucherschützer, hat darum den stark wachsenden Markt zum Thema für den Deutschen Verbrauchertag am Montag erklärt.

Der Gedanke des Teilens ist nicht neu; erinnert sei nur an landwirtschaftliche Genossenschaften, um Maschinen zu teilen. Warum die Sharing Economy aber so enorm zulegt, liegt vor allem an der technologischen Entwicklung. Durch digitale Vermittlungsplattformen wird aus der Kultur des Teilens ein Markt, heißt es beim Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv): Die weltweiten jährlichen Investitionen in Start-ups der Sharing Economy seien von 300 Millionen US-Dollar im Jahr 2010 auf sechs Milliarden 2014 gestiegen.

Konsumenten werden zu Anbietern, persönliche Daten entwickeln sich zu einer Vertrauenswährung und neue Unternehmen mischen den Markt auf. „Es gibt derzeit einen starken Sog hin zu digitalen Plattformen, die ein hohes Maß an Bequemlichkeit bieten“, sagte vzbv-Chef Müller dem Handelsblatt. Genau für diese Plattformen aber „brauchen wir einen gesetzlichen Rahmen, damit Sharing Economy nicht am Ende die Preisgabe von Sicherheit und Datenschutz bedeutet“.

Auch Gitta Connemann, Vizechefin der Unions-Bundestagsfraktion, fordert, sich mit dem Thema zügig auseinanderzusetzen. „Welche Herausforderungen kommen auf den Gesetzgeber zu: Ist es eine Frage der Kennzeichnung, der Transparenz – oder brauchen wir gar eine neue Rechtssetzung? Das müssen wir uns dringend ansehen.“ Aufgrund der Vielschichtigkeit des Markts seien jedoch keine pauschalen Antworten zu erwarten.

Die Beschäftigung mit dem Thema bedeutet eine Gratwanderung. „Das Wachstum der Sharing Economy darf nicht durch zu viele Regeln abgewürgt werden – aber ein Laissez faire darf auch nicht einziehen“, meint Müller. So beschäftigt den vzbv beispielsweise die Frage, ob nicht bei der privaten Zimmervermittlung künftig Rauchmelder in den Wohnungen vorgeschrieben sein sollten – oder aber zumindest die Plattform darüber informieren müsste, ob eine Wohnung mit Rauchmeldern ausgestattet ist oder nicht.

Vermittlungsplattformen seien dafür verantwortlich, die Qualität der von ihnen vermittelten Dienste sicherzustellen, sagt Müller, nämlich indem sie grundlegende Sicherheitsmaßnahmen verlangten und Versicherungen gegen Unfälle und gravierende Schäden anböten. Das ist nach Beobachtung des vzbv bei Plattformen zum nachbarschaftlichen Autoteilen bereits Standard, nicht dagegen bei Plattformen zur Vermietung von Ferienquartieren.

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  • IT und die Plattform-Seuche machen aus jeder halbwegs brauchbaren Idee eine irrsinnig verzerrte und schädliche Veranstaltung zur Abzocke.

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