Shell-Jugendstudie
Soziale Herkunft entscheidet über Lebensträume

Deutschlands Jugendliche blicken optimistischer in die Zukunft - aber bei der Einschätzung ihrer persönlichen Perspektiven klafft die Schere zwischen den sozialen Milieus immer weiter auseinander. Das geht aus der jüngsten Shell-Jugendstudie hervor, die in Berlin vorgestellt wurde. Die Opposition wertete die Ergebnisse als Hilfeschrei der Gesellschaft und kritisierte die Regierung.
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anr/HB BERLIN. Die soziale Kluft in Deutschland macht sich laut neuester Shell-Studie verstärkt auch in der jungen Generation bemerkbar. Wie aus der in Berlin vorgestellten Untersuchung hervorgeht, hat sich zwar die Zuversicht bei den 12- bis 25-Jährigen trotz Wirtschaftskrise und schlechterer Berufsperspektiven in den letzten vier Jahren noch einmal deutlich von 50 auf 59 Prozent erhöht. Tatsächlich sind es aber die privilegierten Jugendlichen, die im Vergleich zur letzten Studie vor vier Jahren an Zuversicht gewonnen haben. Bei jungen Leuten aus sozial benachteiligten Familien blickten nur 33 Prozent optimistisch in die Zukunft. Eine Kluft werde auch bei der Lebenszufriedenheit deutlich. Während sich fast Dreiviertel der Befragten positiv äußerten, täten dies Jugendliche aus unterpriviligierten Verhältnissen nur zu 40 Prozent, heißt es weiter.

Der Zuversicht der Mehrheit habe wenig damit zu tun, dass Jugendliche sich wegen der demographischen Situation in Deutschland bessere Chancen auf einen Job ausrechnen, so Mathias Albert, einer der Leiter der Studie. Optimistisch ist vor allem, wer eine gute Ausbildung erhält. 71 Prozent erwarten, dass sie ihre beruflichen Wünsche erfüllen können, bei Jugendlichen aus bildungsferneren Familien sind es nur 41 Prozent. Politisch engagiert ist ebenfalls vor allem die gehobene Schicht. Doch das leicht gestiegene Interesse an der Politik ist vor allem den Jüngeren zu verdanken: Die Anzahl der 12- bis 14-Jährigen, die in der Studie Interesse an Politik äußerten, hat sich innerhalb von acht Jahren auf 21 Prozent verdoppelt. Bei den ältesten Befragten im Alter von 22 bis 25 ist das Interesse im selben Zeitraum nur minimal gestiegen.

Ein klares Urteil fällen die Jugendlichen über die Institutionen, denen sie vertrauen. Polizei, Gerichte, Bundeswehr und Umweltschutzgruppen erhalten in der Studie eine hohe Bewertung. Regierung, Parteien, Kirche und große Unternehmen hingegen wecken wenig Vertrauen. Ihre Urteile stützen Jugendliche zunehmend auf differenziertere Meinungen. Sie informieren sich besser, vor allem durch jugendaffine Kanäle wie das Internet. 96 Prozent der Jugendlichen online, im Schnitt 13 Stunden pro Woche im Netz. Aber während kompetente "Multi-Nutzer" (34 Prozent) vor allem aus oberen Schichten stammen, sind es bei den 24 Prozent „Gamern“ vor allem ärmere Jugendliche. Die Globalisierung wird von Jugendlichen grundsätzlich als positive Entwicklung gesehen. Besonders steigt allerdings die Zahl derer, die kritisch zwischen den Vor- und Nachteilen der Globalisierung unterscheiden. 70 Prozent finden, man müsse Missstände in der Arbeitswelt und der Gesellschaft bekämpfen.

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Kommentare zu " Shell-Jugendstudie: Soziale Herkunft entscheidet über Lebensträume"

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  • Frage nach "Gott" wurde falsch (suggestiv) formuliert

    bei dieser Studie wurden die Jugendlichen auch danach gefragt, ob sie an Gott glauben.
    Dies ist wissenschaftlich unkorrekt formuliert. Denn mit dieser Formulierung wird suggeriert, dass es so etwas wie einen "Gott" grundsätzlich gibt - obwohl es wissenschaftlich schon seit sehr langer Zeit fest steht, dass es weder möglich ist zu beweisen, dass es einen so genannten "Gott" gibt, noch, dass es „ihn“ nicht gibt.

    Korrekt hätte zum beispiel gefragt werden müssen, ob man an so etwas wie einen "Gott" glaubt - dann wäre es für beide Seiten (interviewer und interviewten) - klar, dass es unklar ist, ob "Gott" überhaupt existiert.

    bei solch einer richtigen, weil neutralen Fragestellung wären die "Ja"-Antworten (37%) sicher noch deutlich niedriger ausgefallen!

  • "Soziale Herkunft entscheidet über Lebensträume": Wieso das denn? Wer wird daran gehindert, in der Schule ordentliche Leistungen bringen? Wer wird gezwungen, seine Freizeit als Gamer zu verbringen anstatt Sport zu treiben oder ein buch zu lesen?

    Jeder, der will, kann dem H4-Schicksal entkommen. Aber viele haben sich in der 3. Generation damit eingerichtet, und mehr Geld hilft da auch nicht.

  • Die Jungen werden hierzulande in einer art und Weise auf bezahlte erwerbsarbeit gedrillt, die ich als infam bezeichne. berufliche wünsche verwirklichen- das ist alles, was ihnen von den schwarzgelben Shareholder-Value-Marionetten eingetrichtert wird. ansonsten können sie nichts, überhaupt nichts. Die können einem jetzt schon leid tun. Mir scheint es, als ob die eine gnadenlose bauchlandung vollführen werden- nur, die Schuldenmacher und Sprücheklopfer von heute werden ihnen dann nichts helfen. Dann, wenn es nur noch abwärts geht.

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