Sicherheitsdebatte
Schäubles Handy-Verbotsidee ärgert Freund und Feind

Mit seinen neuesten Sicherheitsplänen hat sich Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) nirgendwo Freunde gemacht: Seine Idee, als Gefährdern eingestufen Islamisten die Handy- und Internet-Nutzung zu verbieten, missfällt dem Koalitionspartner, der Opposition und der Polizeigewerkschaft.

HB BERLIN. SPD-Fraktionschef Peter Struck zeigte sich verärgert von Schäubles Vorschlägen. Der CDU-Politiker wolle die Sozialdemokraten als unsichere Kantonisten hinstellen, kritisierte Struck in der „Frankfurter Rundschau“. „Das gehört sich nicht in einer Koalition“, fügte er hinzu. Abgesehen davon ließen sich Schäubles Vorschläge für ein Handy-Verbot für islamistische Gefährder nur in einem Überwachungsstaat durchsetzen.

Schäuble hatte angeregt, ein Handy-und Internet-Verbot gegen Gefährder zu verhängen, die nicht abgeschoben werden können, und einen Straftatbestand der Verschwörung einzuführen. Außerdem will er offene rechtliche Fragen über die gezielte Tötung Verdächtiger durch den Staat klären lassen.

Mit seinen Plänen erntete Schäuble auch in der Opposition und bei der Gewerkschaft der Polizei (GdP) scharfe Kritik. „Man muss Herrn Schäuble daran erinnern, dass er als Innenminister auch Verfassungsminister ist“, mahnte der FDP-Innenexperte Max Stadler der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“. In Deutschland gelte ein Tötungsverbot. „Schäuble versucht, eine Rechtsgrundlage für Guantanamo in Deutschland zu schaffen“, warnte die Grünen-Innenexpertin Silke Stokar.

Auch die Gewerkschaft der Polizei kritisierte den Minister. „Unser Problem sind nicht mangelnde Gesetze, sondern ihre mangelnde Umsetzung“, sagte GdP-Chef Konrad Freiberg der gleichen Zeitung. „Wir kennen etwa 100 Gefährder. Aber wir sind aus Personalmangel nicht in der Lage, diese Personen rund um die Uhr zu bewachen“.

Als Gefährder stufen die Sicherheitsbehörden potenzielle Attentäter aus dem Islamisten-Milieu ein. Es handelt sich um Menschen, bei denen zwar Anhaltspunkte vorliegen, dass sie in die Planung von Anschlägen verwickelt sein könnten, bei denen die Hinweise aber nicht für die Einleitung eines förmlichen Ermittlungsverfahrens ausreichen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%