Sicherheitspolitik
Bundeswehrinspekteur sieht Fortschritte in Afghanistan

Der stellvertretende Generalinspekteur der Bundeswehr Dora hat die deutsche Rüstungsindustrie massiv kritisiert. Im Rahmen der Konferenz zu Sicherheitspolitik und Verteidigungsindustrie des Handesblatts forderte er von den Konzernen deutlich mehr Flexibilität und Kooperationen bei Projekten.

BERLIN. Die Bundeswehr befindet sich nach Doras Ansicht in einer schwierigen Situation. Sie stehe vor dem Problem, dass die sich ständig ändernden militärischen Anforderungen im Einsatz stete technische Neuerungen erfordere und dies unter möglichst wirtschaftlichen Bedingungen nur schwer zu gewährleisten ist. "Diese finanzplanerischen Vorgaben und Wirtschaftslichkeitserwägungen limitieren den kontinuierlichen Umbau der Bundeswehr," kritisierte Dora. Und weiter: "Die der Bundeswehr zur Verfügung stehenden Mittel zwingen die Bundeswehr zur Priorisierung." Wissend um diese monetären Zwänge und dass sich an diesem Zustand so schnell nichts ändern werde, nannte Dora vor allem das Verhältnis von Industrie und Streitkräfte als den wesentlichen Eckpfeiler für die Weiterentwicklung der Bundeswehr. Trotz dieser wichtigen Rolle der Rüstungskonzerne kritisierte Dora diese scharf.

Um die Verbesserung der Einsatzfähigkeit der Bundeswehr zu erreichen stellte er eine ganze Reihe an Forderungen an die Verteidigungindustrie. So verlangte der Generalleutnant mehr Projekte über Unternehmensgrenzen hinweg. Im Rahmen der vernetzten Operationsführung müssten Projektelemente so früh wie möglich aufeinander abgestimmt werden. Dabei sollen sich die Konzerne an "machbaren Lösungen" orientieren. Damit kritisierte er das Bild der "Eier legenden Wollmilchsau", das heißt den übertriebenen Perfektionismus der Rüstungsindustrie: "Lieber 80 Prozent Lösungen jetzt, als 100 Prozent Lösungen spät oder nie," forderte Dora.

Aufgrund der wirtschaflichen Bedingungen des Verteidigungsetat brauche die Bundeswehr eine "Modernisierung in kleinen Schritten bei ausgewogener Lastenteilung." Aufgrund von kleineren Projektrealisierungen könnten oft nur geringe Stückzahlen produziert werden, wodurch regelmäßig der Gesamtsystempreis in die Höhe gehe. Um diesem Problem zu begegnen "wünscht sich die Bundeswehr mehr Innovationskraft und Flexibilität" von der Rüstungsindustrie. Auch das Zeitmanagement der Industrie fand der Vertreter der Bundeswehr nicht gut: "Besonders in Großprojekten komme es regelmäßig zu erheblichen zeitlichen Verzögerungen hinsichtlich der Projektrealisierung," sagte Dora. Diese führe zu deutlichen Kostensteigerungen. Auch die ständigen Versuche der Industrie durch Lobbyismus Einfluss auf die Bundeswehr zu nehmen hält er für kontraproduktiv. Dies führe zu einer Übersteuerung des Prozesses der Planung von wichtigen Projekten.

Den momentanen Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr sieht er als Beweis, dass sich die militärischen Anforderungen an das Militär sehr schnell ändern können, von Einsatz zu Einsatz verschieden sind und dies eben Innovationen im technischen Bereich erfordere. Gleichwohl sieht Dora, dass die Bundeswehr bezüglich der Zusammenarbeit mit den afghanischen Sicherheitskräften erhebliche Fortschritte gemacht hat, die Aufklärungsmittel modernste Standards erreicht haben und der Schutz der eigenen Truppe optimierte wurde.

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