"Sie werden wieder etwas Großes machen"
Terrorprozess: Zeuge belastet Motassadeq

Nach Aussage eines Zeugen soll der als Helfer der Attentäter vom 11. September 2001 angeklagte Mounir El Motassadeq schon 1999 von Anschlagsplänen gewusst haben. Ein früherer Mitbewohner des Marokkaners berichtete am Dienstag vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht (OLG) von einem Gespräch, das er damals auf dem Korridor des Hamburger Studentenwohnheims belauscht habe.

HB HAMBURG. Motassadeq habe zu einem Dritten gesagt: „Sie werden wieder etwas Großes machen. Die Juden werden brennen, und wir werden auf ihren Gräbern tanzen.“

Die Aussage des 31-jährigen Ingenieurs hatte in einem ersten Verfahren zum Schuldspruch gegen Motassadeq durch das OLG beigetragen. In der vergangenen Woche hatte der Chef des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Heinz Fromm, ausgesagt, dass die Hamburger Todespiloten um Mohammed Atta nach seinen Erkenntnissen erst Ende 1999 von Terrorchef Osama bin Laden in Afghanistan in die Anschlagspläne gegen die USA eingeweiht wurden.

Der jetzt vernommene deutsche Zeuge hatte von 1996 bis 2000 mit dem Angeklagten zusammengewohnt. Bei dem von ihm belauschten Gespräch habe es sich angehört, als habe Motassadeq bevorstehende Anschläge befürwortet, aber keine konkreten Informationen darüber gehabt. Seiner Erinnerung nach hatte der Marokkaner die Worte an einen türkischen Mitbewohner gerichtet. Dieser hatte an einem früheren Verhandlungstag ausgesagt, er könne sich an eine solche Äußerung nicht erinnern.

Der Ingenieur sagte, der spätere Terrorpilot Atta sowie die mutmaßlichen Anschlagsdrahtzieher, Ramzi Binalshibh, Said Bahaji und Zakariya Essabar hätten Motassadeq regelmäßig besucht. Als er Ende 1999 einmal im Wohnheim auf Atta und weitere Gäste stieß, habe der Angeklagte auf einen der Männer gedeutet und gesagt: „Das ist unser Pilot.“

Der heute 30-jährige Motassadeq war vom OLG in einem ersten Prozess 2003 wegen Beihilfe zum Mord in mehr als 3000 Fällen und Mitgliedschaft in einer Terrorgruppe zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil aber auf und verwies den Fall nach Hamburg zurück.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%