Sieben Fragen an: Heinz Evers
Managerbezüge: "Eine Million reicht"

Eine Million Euro pro Jahr – mehr Festbezüge sollten Manager nicht erhalten. Das glaubt zumindest Heinz Evers, Experte für Vergütungsfragen. Im Handelsblatt-Interview spricht er über Bodenhaftung, Verantwortung – und warnt vor einem weiteren Anstieg der Gehälter.

Die Regierungskoalition will Änderungen im Aktiengesetz vornehmen, um Managergehälter schärfer zu regulieren. Ist das notwendig?

Die Politik betätigt sich zurzeit auf Nebenkriegsschauplätzen. Beispielsweise vorhandene Vorschriften im Aktiengesetz zu ändern, um längere Haltefristen für Aktienoptionen zu erzwingen, das geht am eigentlichen Thema vorbei.

Warum?

Erstens schreiben die meisten Konzerne ihren Managern ohnehin mindestens drei Jahre Haltefrist vor. Und zweitens sind Aktienoptionen aus der Mode gekommen. Stattdessen bezahlen die Unternehmen ihre Manager längst virtuelle Optionspläne oder verpflichten sie, Aktien des eigenen Unternehmens zu kaufen und langfristig zu halten.

Also gibt es gar keinen Handlungsbedarf?

Doch! In den zurückliegenden Jahren haben die Bezüge in Deutschland ein sehr hohes Niveau erreicht, weil der Bedarf an wirklich fähigen Managern stark zugenommen hat. Auch hat die Konzentration der Macht in den Vorständen zugenommen. In zehn Jahren sank die Zahl der Vorstände in den Dax-Firmen von durchschnittlich acht auf nur noch sechs.

Mehr Verantwortung, mehr Geld?

Für die Guten waren Aufsichtsräte bereit, auch gutes Geld auf den Tisch zu legen. Allerdings hat auch die Benchmark USA zu extremen Entwicklungen geführt.

Und jetzt?

Jetzt müssen die Aufsichtsräte dafür sorgen, dass die Manager nicht die Bodenhaftung verlieren. Die Gesamtbezüge der Vorstände in den großen Aktiengesellschaften sollten nicht weiter steigen.

Der Chef der Corporate-Governance-Kommission, Klaus-Peter Müller, sagt, die Zeit des Quartalsdenkens sei vorbei. Sind die Vergütungssysteme in deutschen Unternehmen darauf schon ausgerichtet?

Nein. Zuletzt sind die Festbezüge vieler Manager zu stark gestiegen. Zum anderen nehmen Jahresboni immer noch einen viel zu großen Raum ein.

Was empfehlen Sie?

Bei den Festbezügen sollte man bei einer Million Euro pro Jahr eine Grenze ziehen. Wo bleibt sonst das Risiko der Vorstände? Der Rest des Managergehalts sollte primär den langfristigen Unternehmenserfolg honorieren.

Dieter Fockenbrock
Dieter Fockenbrock
Handelsblatt / Chefkorrespondent
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