Sieben Tweets an Volker Beck
„Die Merkel-Filmchen sind zum Gähnen“

Volker Beck ist parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen – und Twitter-Nutzer. Das Handelsblatt interviewte ihn über den Kurznachrichtendienst, der maximal Texte (Tweets) von 140 Zeichen Länge erlaubt. Das reichte Beck nicht immer – er schickte auch mal mehrere Antworten auf eine Frage. Das Interview verlief öffentlich, so dass sich Mitleser zu Wort meldeten. Diese erkennen sie am @ vor dem Nutzernamen.

Handelsblatt: Herr Beck, beim Parteitag grüßten Sie mit „Liebe Follower“. Wie viele im Saal haben verstanden, wen Sie meinten?

Volker Beck: Darüber habe ich keine Statistik. Am Jubel konnte man sehen, wo die grüne Jugend saß. Unsere Web-2.0-Avantgarde.

Ist denn die Verwendung von Instrumenten wie Facebook innerhalb der Alltagsgespräche zwischen Politikern ein Thema?

Rund um die Gespräche zur Wahlkampfkommunikationsstrategie auf jeden Fall. Mich fragen auch hier und da Kollegen hierzu. Ich meine übrigens, dass man die Kanäle auch nur nutzen sollte, wenn man Lust dazu hat. Sonst schadet man sich eher.

@weltherrscher: Ist Bloggen noch wichtig beim Onlinewahlkampf, oder hat Twitter mittlerweile alles andere abgelöst?

Eine Argumentation und Information lässt sich ja nicht auf 140-Zeichen- Häppchen reduzieren. Twitter kann durch URL-Einbindung die Kommunikationskraft von Homepages und Blogs verstärken.

Fast jede Partei arbeitet mit Videos. Wie sehen Sie dieses Instrument?

Das ist sicher eine Möglichkeit. Obwohl ich diese Merkel-Filmchen zum Gähnen langweilig und supersteif finde. Es ist übrigens klassische Top-down-Kommunikation, die das Kanzleramt da macht. Diskussionsfreudigkeit und -offenheit geht anders.

Welche Bedeutung hat der Onlinewahlkampf insgesamt im Kanon der Medien? Regieren weiter die klassischen Medien?

Ich denke, Fernsehen behält seine führende Rolle, Print büßt weiter ein, die Bedeutung des Internets nimmt zu. Internet hat eine reale Bedeutung für eine bestimmte, gut ausgebildete, technikaffine und diskussionsfreudige Gruppe. Ansonsten ist die Nutzung der neuesten Instrumente eher ein Imagevorteil: Man ist auf der Höhe der Zeit: Kommunikationsavantgarde.

@40something: Inwieweit können die bestehenden Parteien überhaupt „strukturell“ mit der Offenheit des Webs umgehen?

Die Nutzung des Web 2.0 wird langfristig mehr Offenheit der Diskussion auch in einer Kampagne bedeuten. Ein Graus für die Spitzen. Aber eine Chance für Demokratie, Bürgerbeteiligung und eine langfristige Veränderung der politischen Klasse.

Wird das Internet im Wahlkampf 2009 so wichtig, dass 2010 alle Volksvertreter twittern/bloggen/facebooken?

Nein, das glaube ich nicht. Die Berichterstattung über den Obama-Wahlkampf hat da vielerorts zu Fehleinschätzungen geführt. Aber für die Grünen mit einer gut ausgebildeten Wählerschaft und einer eher geringen Mitgliederstärke ist die Mobilisierung im Internet eine Chance, die wir nutzen werden.



Das Gespräch twitterte Thomas Knüwer. Mehr zum Kurznachrichtendienst Twitter erfahren Sie auch beim Elektrischen Reporter: Leben in 140 Zeichen

Thomas Knüwer
Thomas Knüwer
Handelsblatt / Reporter
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