Sigmar Gabriel auf Sommerreisen
Der Kümmerer

Bei seinen Reisen als Wirtschaftsminister und SPD-Chef zeigt Sigmar Gabriel eine seiner stärksten Seiten im Vergleich zu Kanzlerin Merkel: Er geht ohne Berührungsängste auf die Menschen zu.
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Jena/Schönebeck/Heidenau/IngelheimBundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel geht gerade durch das Tor eines Flüchtlingsheims in Ingelheim, da ist er schon umringt von rund einem Dutzend Flüchtlingen. Gabriel nimmt sich Zeit, spricht lange mit ihnen. Es ist heiß an diesem Donnerstagmittag, alle drängen sich um den Minister, um ihre Geschichte und ihr Anliegen vorzutragen.

Erst am Montag hat er ein Flüchtlingsheim in Heidenau besucht, dort, wo zwei Nächte lang Rechtsradikale randaliert haben. Ingelheim ist ganz anders als Heidenau. Die Bevölkerung arrangiert sich mit den Neuankömmlingen. Rund 1100 Menschen sind hier in Containern und umfunktionieren Gebäuden untergebracht. „Wir sind ok mit den Flüchtlingen“, sagt ein Anwohner. „Die Ingelheimer sind großartig“, findet Malu Dreyer, Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz.

Es ist bereits das fünfte Flüchtlingsheim, das Gabriel besucht. Das erste schaute er sich bereits im April an, in Magdeburg. Gabriel kümmert sich. Nicht nur um die Flüchtlinge, wie sich bei seinen Sommerreisen als Wirtschaftsminister und SPD-Chef in dieser Woche zeigt. Das ist seine Stärke, auch im Vergleich zu der schweigsamen und zurückhaltenden Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die für ihre späte Reaktion auf die Ausschreitungen in Heidenau viel Kritik einstecken musste.

Während Gabriel mit den Flüchtlingen in Ingelheim spricht, sammeln sich ein paar Meter weiter immer mehr von ihnen, es gibt offenbar ein medizinisches Problem bei einem. Als Gabriel weitergeht, um mit ein paar Mitarbeitern zu sprechen, die die Flüchtlinge medizinisch versorgen, schafft es der Mann, zu ihm durchzudringen.

„One week here, no doctor“, ruft er. Er zeigt auf den kleineren, alten Mann vor ihm. Gabriel schaut hin. Dem Mann fehlt ein Bein, er braucht eine Prothese. Es geht hin und her, keiner antwortet richtig auf die aufgeregten Rufe des Mannes. Journalisten, Mitarbeiter, Bewohner und Personenschützer drängeln sich um Gabriel. Er versucht durch Nachfragen herauszufinden, was los ist. Es wird nicht richtig klar, was schief gelaufen sein soll. Gabriel bleibt dran „Wer kümmert sich denn nun um ihn?“ fragt er die Mitarbeiter des Flüchtlingsheimes. Er geht nochmal auf den aufgeregten Mann zu, spricht mit ihm. Eine Mitarbeiterin der Einrichtung versichert Gabriel, dass er am Montag zum Arzt gehen kann.

Gabriel kümmert sich, das kann er gut und hat er bereits bei seiner zweitätigen Reise in Ostdeutschland als Wirtschaftsminister gezeigt.

Bei seinen Reisen ist Gabriel immer voll dabei, aufmerksam, er geht auf die Menschen zu, fragt, hakt nach, zur Not auch mit vollem Mund, weil er sich gerade einen Keks hineingeschoben hat. Wenn seine Mitarbeiter drängeln, weil die Zeit davonrennt, ignoriert er das.

Dienstag, ein Werk von Thyssen-Krupp in Schönebeck. Am Tag zuvor hat Gabriel bereits ein straffes Programm gehabt: Vormittags hat er die Flüchtlingsunterkunft in Heidenau besichtigt, nachmittags Unternehmensbesuche in Dresden, abends Bürgerdialog in Jena, später ein Essen mit Journalisten, danach noch ein Gespräch mit thüringischen Landespolitikern.

Kommentare zu " Sigmar Gabriel auf Sommerreisen: Der Kümmerer"

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  • Der Kümmerling würde besser passen!

  • Billige, durchschaubare Polit - SHOW ! Mehr nicht !

  • Als Wirtschaftsminister vertritt er die Interessen der Wirtschaft.
    Flüchtlinge sind Billige Arbeitssklaven und drücken die Löhne
    Die Industrie sagt klasse
    Die Brauchen Wohnungen
    Bauindustrie und Abrisshaus Vermieter sagen Klasse,
    Asylanten statt Kinder Klasse
    Die deutschen Frauen sollen Arbeiten und keine Kinder bekommen.
    Durch Flüchtlinge kann man an der Bevölkerung weiter Raubbau betreiben.

    Bei seinem Handeln sind im nach der Poliktik
    Rednerverträge oder Schwalli Jobs in der Wirtschaft sicher.

    Was interessieren ihn da die Interessen der Arbeiter?

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