Sigmar Gabriel Kohle ist „Rückendeckung der Energiewende“

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hält den schnellen Ausstieg aus der Kohle-Nutzung für unrealistisch. Man könne Atomenergie und Kohle nicht zeitgleich verbannen. Seine Umweltministerin ist anderer Meinung.
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Die Stilllegung deutscher Kohlekraftwerke führe in Europa nicht zu einer Tonne Einsparungen bei den CO2-Emissionen, sagt Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel. Quelle: dpa

Die Stilllegung deutscher Kohlekraftwerke führe in Europa nicht zu einer Tonne Einsparungen bei den CO2-Emissionen, sagt Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel.

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BerlinBundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hält einen raschen Verzicht auf die Nutzung der Kohle für unrealistisch und will die Entscheidung über das Abschalten einzelner Kraftwerke den Unternehmen überlassen.

„Wir müssen endlich Schluss machen mit den Illusionen in der deutschen Energiepolitik“, schrieb Gabriel in einem Reuters am Dienstag vorliegenden Positions-Papier.

„Man kann nicht zeitgleich aus der Atomenergie und der Kohleverstromung aussteigen.“ Wer das wolle, sorge für explodierende Stromkosten, Versorgungsunsicherheit und die Abwanderung großer Teile der Industrie. Kohle- und Gasverstromung werde auf längere Sicht noch als „Rückendeckung der Energiewende“ für Zeiten benötigt, in denen es nicht genug Wind- oder Solarstrom gebe.

Seine Position hält Gabriel dem Papier zufolge auch mit den deutschen Klimazielen für vereinbar.

Bei der Entscheidung darüber, welche Kohlekraftwerke vom Netz genommen werden sollen, seien die Firmen am Zug. „Ich bin allerdings sicher, dass die Frage, welche Kraftwerke am Netz bleiben und welche stillgelegt werden, die Unternehmen entscheiden sollen und nicht der Staat“, schrieb er.

Mit Blick auf den Klimaschutz argumentierte der SPD-Politiker, die Stilllegung deutscher Kohlekraftwerke führe in Europa nicht zu einer Tonne Einsparungen bei den CO2-Emissionen. Dadurch freiwerdende Verschmutzungsrechte würden zu anderen Kraftwerken abwandern, die entsprechend mehr Treibhausgase ausstießen. „Deshalb ist der richtige Weg die Verknappung der Emissionszertifikate in Europa und die Wiederbelebung des Emissionshandels.“

Umweltministerin Barbara Hendricks hatte sich wiederholt für das Abschalten von Kohlekraftwerken ausgesprochen.

  • rtr
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8 Kommentare zu "Sigmar Gabriel: Kohle ist „Rückendeckung der Energiewende“"

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  • @ Fred M.: Wir bezahlen momentan fast 30 Mrd. EUR pro Jahr für Erneuerbare Energien, die ein Viertel des Stroms liefern. Das sind ungefähr 1000 EUR pro Familie und Jahr an direkten Kosten (Stromrechnung) und indirekten Kosten (leicht erhöhte Preise der gekauften Güter wegen EE).

    Sie wollen das Viertel EE auf knapp 100% ausweiten. Damit wird aus den 1000 EUR vielleicht 2000 EUR. Aber jetzt kommen noch Ihre Gas-to-Power Kosten hinzu. Und das wird richtig teuer und muss zu den 2000 EUR addiert werden.

    Wo bleibt jetzt die Demokratie? Wer einen Kleinwagen pro Jahr für seine Stromrechnung bezahlen will, soll das gern tun. Aber ich möchte das nicht. Übernehmen Sie meinen Teil der Kosten? Und auch von all denen, die es auch nicht möchten oder können?


  • @ Frank Müller

    "Stattdessen wird nun einigen Leuten weisgemacht, temporär unbenötigte Windenergie könne man in Form von Erdgas speichern. "

    Ist Stand der Technik. Mittlerweile beträgt der Wirkungsgrad über 60%. Allerdings ergibt sich ein viel größerer Nutzen, wenn man das Gas in BHKW in Strom und Wäreme umwandelt. Dieser dezentralen Stromwerzeugung wird die Zukunft gehören - wenn ideologische Schranken beseitigt werden.

  • @ Frank Müller „Seitdem darf nicht mal drüber nachgedacht werden, geschweige denn daran weiterentwickelt oder geforscht werden.“

    Nee, der, der das angeordnet hat, war ausgewiesener Fachmann für Kernenergie, der Soziologe Jürgen Trittin.

    „Gute Nacht an den Verstand.“

    Der ist bei Ideologen nur rudimentär vorhanden.

  • @ Fred Meisenkaiser „....in Form von Erdgas erfolgen (powertogas) somit sollte die Kombination von EE und Gas sinnvoll sein.“

    Die Umwandlungs- und Rückwandlungsverluste betragen 70% der eingesetzten Energie. Damit können nur Ideologen einverstanden sein.

    „....werden zwar große Gewinne der Erzeuger realisiert,...“

    Es mutet schon etwas merkwürdig an, wenn jemand „die Gewinne der Erzeuger“ kritisiert, die sich i.d.R. in der Hand der Kommunen befinden und sich gleichzeitig für die sog. „erneuerbaren“ stark macht. Die Betreiber dieser „Energieerzeuger“ profitieren ausschließlich von Zwangsabgaben der Stromkunden ohne dafür eine adäquate Gegenleistung zu erbringen, denn deren „Lieferungen“ sind witterungsabhängig.
    Statt dieses Geld in die Erneuerung der konventionellen Kraftwerkparks zu investieren, wird es Glücksrittern in den Rachen geworfen.

    „...dies würde saubeer Gaskraftwerke lukrativer machen.“
    Keineswegs, Gaskraftwerke sind als Regelkraftwerke konzipiert und nicht als Grundlastkraftwerke.

  • Noch ein halbes Jahr vor der "Energiewende" fand Angela Merkel Kernenergie absolut sicher. Dann gab es in Japan (also nicht bei uns) einen Tsunami und ein starkes Erdbeben. Außerdem rückte Schwarz-Grün in den Bereich der Machtsicherung von Frau Merkel. Da war Kernkraft -obwohl weiterhin CO2-frei- nicht mehr sicher.

    Seitdem darf nicht mal drüber nachgedacht werden, geschweige denn daran weiterentwickelt oder geforscht werden. Dabei könnte der vorhandene strahlende Atommüll gut von inhärent sicheren und CO2-freien Flüssigsalz-Reaktoren verbraucht werden.

    Stattdessen wird nun einigen Leuten weisgemacht, temporär unbenötigte Windenergie könne man in Form von Erdgas speichern.

    Gute Nacht an den Verstand.

  • Gabriel: "Man könne Atomenergie und Kohle nicht zeitgleich verbannen." Das ist natürlich richtig - wir haben einen Anteil von Erneuerbaren Energien von etwa einem Viertel der deutschen Stromproduktion. Das ist deutlich kleiner als 100%. Dem ist nichts hinzufügen.

    Beim Atomausstieg haben wir uns halt FÜR unsere Angst vor dem Atom und GEGEN den Klimaschutz entschieden. Zukünftige Generationen werden uns dafür hart verurteilen! Mit Recht. Leider.


  • Wie wir gerade lernen, geht es durchaus ohne Kernenergie. Die Speicherung von Wind- und Sonnenstrom wird im Wesentlichenin Form von Erdgas erfolgen (powertogas) somit sollte die Kombination von EE und Gas sinnvoll sein.
    Mit dem Import billiger Kohle und dem Verbrennen hier in Deutschland werden zwar große Gewinne der Erzeuger realisiert, jedoch auf Kosten der Gesundheit der Bürger.
    Die CO2-Abgabe auf Kohlekraftwerke sollte stark erhöht werden, dies würde saubeer Gaskraftwerke lukrativer machen.
    Von CDU/SPD ist da kaum was zu erwarten, zu sehr sind sie Lobbyisten der Konzerne.

  • Gabriel und Konsorten wollten die Energiewende und jetzt habt ihr eure Energiewende = Mangel und Armut!
    Wenn ihr nicht die Energieversorgung in Deutschland und damit die ganze Wirtschaft gegen die Wand fahren wollt und dazu noch die Umwelt mit CO2 anreichern, dann bleibt euch nichts anderes übrig als auf die Kernkraft und als zweites Standbein auf die Gaskraft zu setzen. Dazu muss aber erst das EEG und damit die Energiewende politisch/gesetzlich beerdigt werden!

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