Sigmar Gabriel „Ich schaufle mir mein eigenes Grab“

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„Mit denen redet doch sonst keiner“

Nach der Wahl fiel er in ein Loch. Am Abend des 24. September stand er im Willy-Brandt-Haus ganz hinten auf der Bühne. Geduckt, erschüttert. Zehn Tage lang tauchte Gabriel ab. Seine Mitarbeiter machten sich Sorgen. Dann meldete er sich zurück. Wo? Natürlich in der Heimat. Vom „roten Klops“ spricht Gabriel stolz. Während die SPD überall den Bach runterging, verteidigten Gabriel und seine Mitstreiter die Bastion Braunschweig und Umgebung.

Er holte mit knapp 43 Prozent wieder sein Direktmandat – das zweitbeste Ergebnis eines SPD-Kandidaten im ganzen Land. „Wir kümmern uns jeden Tag, nicht nur vier Wochen vor der Wahl.“ Er gab dem Kreml-nahen TV-Sender „Russia Today“ ein umstrittenes Interview, um die Russland-Deutschen in seinem Wahlkreis zu erreichen: „Mit denen redet doch sonst keiner.“

Demnächst, wenn er nicht mehr „Mister Wichtig“ in Berlin ist („Ich hab' ja jetzt Zeit“), will er einen VW-Bus mieten, einen pensionierten Arbeits- und Sozialrechtler einladen und jene Stadtteile abklappern, wo 40 Prozent der Menschen AfD gewählt haben. Die SPD dürfe der schwierigsten aller Fragen jetzt nicht ausweichen: „Warum waren wir so sehr zufrieden mit unserem Programm, aber die Wählerinnen und Wähler nicht?“

Der Fokus auf soziale Gerechtigkeit habe die Menschen nicht überzeugt. Die Deutschen hätten auf Stabilität geschaut – und dort, wo der Staat Schulen, Krankenhäuser und Bushaltestellen dichtgemacht habe, aus Protest die Rechten gewählt.

Gabriel kennt die Mechanismen in der SPD. Unter seiner Führung wurden die Pleiten von 2009 und 2013 verdrängt. „Die Lieblingsausrede ist, die Plakate waren schlecht.“ Einfach werde es nicht, es gebe sicher viele Gründe: „Viele Hunde sind des Hasen Tod.“ Die SPD sei nicht nah genug an den Alltagssorgen der Bürger, zu elitär. Gabriels Funktionärs-Bashing ist berüchtigt. „Könnt ihr Euch vorstellen, im SPD-Ortsverein steht einer auf und sagt: Ich bin Raucher, gucke RTL und finde das mit den Flüchtlingen schwierig“, fragte er dieser Tage in Helmstedt in die Runde. „Oder schließen wir ihn unmittelbar aus der SPD aus?“

„Irgendwann“ werde er sich mit Vorschlägen zur SPD-Erneuerung zu Wort melden. Für viele in der Partei dürfte das wie eine Drohung klingen. Umgekehrt darf man fragen: Wer außer Gabriel kann so fulminant, ohne Manuskript, die Weltlage von Trump bis Kim, von Angst vor Terror und Flüchtlingen, den Aufstieg der AfD und das Versagen der Volksparteien so unters Volk bringen, dass selbst alte Genossen an seinen Lippen hängen?

„Der schönste Job meines Lebens“
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7 Kommentare zu "Sigmar Gabriel: „Ich schaufle mir mein eigenes Grab“"

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  • Herr Josef Monschau - 13.10.2017, 12:20 Uhr

    Richtig, hat was mit Verhalten zu tun.
    Als Politiker und Minister sollte man sich besser im Griff haben und nicht zu Beschimpfungen hinreißen lassen. Die Verallgemeinerungen dieser Beschimpfungen haben dann der SPD mit den Garaus gemacht.

    Ja, Proleten, Dumme sind unter uns, genauso linke ideologische und weltfremde Spinner, ebenso wie rechte und linke Extremisten, nicht zu7 vergessen die schnell zunehmende Zahl der islamistischen Extremisten (mittlerweile sind über 10.000 Gefährder bekannt, wie viele unerkannt sind, weiß keiner). Dank unserer linken über die Maßen unangemessenen linken Politik werden wir in 5-10 Jahren ordentlich Terror auf unseren Strassen haben, da wird die volle Pracht und Blüte unserer Bereicherer aufgehen. Nur wenige von denen sind integrierbar und wollen dies auch. Rausgeschmissen werden noch nicht mal Straftäter.
    Das ist skandalös und ein bürgerfeindliches Verhalten, was zu recht bei der BT-Wahl abgestraft wurde. Sollte das in 4 Jahren nicht besser sein, dann wähl ich auch AfD, egal wie die drauf sind, schlimmer kanns nicht werden, als wie die Entwicklung abzusehen ist.

  • Ich würde gerne wissen, was die Redaktion bzw. die Redakteure der DPA, schon heute morgen getrunken haben?
    Bei solchen Schreibereien kann man nur den Kopf schütteln.
    siehe @ Herr Metz. Volltreffer!

  • @ Peter Kastner
    ob jemand oder eine Gruppe "Pack" ist, hat doch zunächst erst gar nichts damit zu tun, ob es "Landsleute" mit derselben Nationalität sind! Es hat was mit Verhalten zu tun! Und wenn man sich die Auftritte gewisser Gruppierungen, (beispielsweise Pegida) anschaut, könnte man noch ganz andere zutreffende Formulierungen finden. Ich finde es jedenfalls anerkennenswert, hier mal klar Profil / Kante gezeigt zu haben. Als ob Menschen mit deutschem Pass etwas besseres wären. Der Abschaum und die Proleten sind unter uns, schon seit Generationen.

  • Das Pack bleibt, Gabriel schaufelt.

  • Wenn ein Sigmar Gabriel wirklich "das größte politische Talent seiner Geneneration" wäre, dann wäre dieses Land in der Tat rettungslos verloren.
    Vielleicht gilt als "politisches Talent" ja auch einfach nur der Wille zur Macht - um jeden Preis.
    Sonstiges Talent besitzt der Mann nämlich kaum. Erst gar nicht das Talent zur Selbständigkeit; dazu, eine Firma zu gründen, innovative Produkte zu entwickeln und Angestellte zu beschäftigen.
    Er hat jedoch hochtalentiert immer nur vom Staat (das heißt von umverteilten Steuergeld) gelebt: als beamteter Lehrer etwas weniger üppig, als Berufspolitiker dann jedoch umso mehr (die kurze Zeit, die er laut Wikipedia in seiner Studentenzeit als Hotelportier gejobbt hat, fällt da kaum ins Gewicht).
    Also die "Karriere" eines typischen Sozialisten: Wasser predigen und Wein trinken - Umverteilung bitte zuallererst zu mir selber, erst dann zu den "sozial Benachteiligten".

  • Sigmar Gabriel ist mit Heiko Maas, der erste der im Orkus verschwindet.
    Unvergessen, das er seine Landsleute als Pack beschimpft hat.
    Unvergessen, wie Heiko Maas die Meinungsfreiheit eingeschränkt hat.
    Der nächste wird Horst Drehhofer sein.
    Der lauteste Knall, wenn Merkel dann endlich gegangen wird, kommt hoffentlich demnächst.

  • Endlich geht Gabriel als Fossil einer SPD, die nur mit den Grünen wollen und wollten aber die Grünen die SPD nur als Wirt ansehen , die sie ausweiden.
    Irgendwann kam der Tag mit Schröder , ab da wurde die SPD zu Grünen umgedreht und viele echte SPD Wähler winkten bis heute ab. Grüne und Sozialpolitik sind zwei verschiedene Schuhe .

    Es wird Zeit neue Leute bei der SPD nach vorne zu bringen , die auf Grüne verzichten und sich die Linke zuwenden .

    Auch Jamaika wird wie schon einmal gesagt zerbrechen. Hier wird die FDP
    zwischen Union und Grüne zerrieben und aus der Koalition fliehen .

    Grüne und Union ist für CDU/CSU Wähler Verrat an den Parteien und man geht weg.

    Mein Wort darauf.

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