Sigmar Gabriel zur Russland-Krise „Angst, dass sich die Krise weiterentwickelt“

Sigmar Gabriel warnt vor einer Verschärfung der Russland-Krise. Der Bundeswirtschaftsminister fürchtet Sanktionen, deren wirtschaftlicher Preis zu hoch sein könnte. Vor allem von der Energie will er die Finger lassen.
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Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) unterhält sich im Herbert-Wehner-Saal in Dresden (Sachsen) mit der Mitarbeiterin des Netzwerk Demokratie und Courage - Sachsen, Stella Meyer: Energie dürfe in Europa nicht als Mittel der politischen Auseinandersetzung genutzt werden. Quelle: dpa

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) unterhält sich im Herbert-Wehner-Saal in Dresden (Sachsen) mit der Mitarbeiterin des Netzwerk Demokratie und Courage - Sachsen, Stella Meyer: Energie dürfe in Europa nicht als Mittel der politischen Auseinandersetzung genutzt werden.

(Foto: dpa)

JenaBundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) ist angesichts der Wirtschaftssanktionen im Ukraine-Konflikt in Sorge über das deutsch-russische Verhältnis. „Wir müssen Angst haben, dass sich die Krise weiterentwickelt“, sagte Gabriel am Freitag während seiner Sommertour in Jena. „Wenn Russland sich nicht zu Veränderungen bringen lässt, ist der politische, der kulturelle, aber auch der wirtschaftliche Preis viel höher als der der jetzigen Sanktionen.“ Gabriel warnte zugleich grundsätzlich vor Sanktionen in der Energieversorgung.

Energie dürfe in Europa nicht als Mittel der politischen Auseinandersetzung genutzt werden. „Das würde uns ein großes Stück Sicherheit geben, das würde auch Russland Sicherheit geben.“ Gabriel betonte: „Wir werden die Probleme in Europa nur in Verhandlungen lösen.“

Die Russland-Deals der deutschen Wirtschaft
Chairman of German Railway Deutsche Bahn Grube poses ahead of the company's half year news conference in Berlin
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Deutsche Bahn

Mitten in der politischen Krise wirbt Bahnchef Rüdiger Grube um einen Milliardendeal in Russland. Die russische Staatsbahn will den Bau einer rund 800 Kilometer lange Bahnstrecke von Moskau nach Kasan ausschreiben. Die Deutsche Bahn würde sich diesen Auftrag über 20 Milliarden Euro gerne sichern. Doch die zugespitzte Lage in der Ukraine könnte das Geschäft noch gefährden.

BASF zur Bilanz-PK 2014 / Methylamin-Anlagen, Geismar Verbund
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BASF

Das Gashandels- und Gasspeichergeschäft will BASF abspalten und an den russischen Staatskonzern Gazprom verkaufen. Doch das Vorhaben stockt: Eigentlich sollte der Deal schon zur Jahresmitte abgeschlossen sein. Bei der Bekanntgabe der jüngsten Quartalszahlen wurde nun ein Abschluss des Anteilstauches im Herbst in Aussicht gestellt.

southstream2
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Wintershall / Europipe

Die zwischen Russland und Bulgarien quer durchs Schwarze Meer geplante Pipeline ist ein Großprojekt mit deutscher Beteiligung. 450.000 Tonnen Röhren liefert Europipe aus Mülheim an der Ruhr, die BASF-Tochter Wintershall ist an dem Projekt beteiligt. Eine symobilsche Schweißnaht zum Baubeginn wurde im Dezember 2012 gesetzt (Bild).

Metro Bilanz
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Metro

Die verschärften Russland-Sanktionen bremsen auch den Düsseldorfer Handelskonzern bei seinen Plänen aus. Eigentlich wollte das russische Großmarktgeschäft an die Börse bringen. daraus wird erst mal nichts - wegen der US-Sanktionen gegen russische Unternehmen wie Gazprombank und Rosneft. Die EU hatte unter anderem, dass zwei europäische Förderbanken keine neuen Projekte in Russland mehr genehmigen dürfen.

Claas
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Claas

Für den deutschen Landmaschinen-Bauer ist Russland ein besonders wichtiger Wachstumsmarkt. Erst kürzlich hatte das Unternehmen beschlossen, die Produktion im russischen Krasnodar zu erweitern. Theo Freye, Sprecher der Claas Konzernleitung ist optimistisch, dass die Pläne trotz der politischen Krise umgesetzt werden könenn: „Die Situation in Russland und der Ukraine hat natürlich Auswirkungen auf den Geschäftsverlauf in der Region. Wir setzen jedoch unvermindert auf den langfristigen Erfolg unseres Engagements in beiden Ländern.“

Bohr- und Förderinsel "Mittelplate"
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RWE

Als der Energieriese RWE seine Pläne veröffentlichte, die Öl- und Gasfördertochter Dea für 5,1 Milliarden Euro an eine Investorengruppe um den russischen Milliardär Michail Fridman zu verkaufen, gab es bereits erhebliche Kritik. Nun könnte der Deal erneut wackeln: Offshore-Rohstoff-Geschäfte dürften von einer Sanktionserweiterung betroffen sein.

Clothes are pictured in the new Adidas Originals store before the opening in Berlin
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Adidas

Der Sportartikelriese aus Herzogenaurach ist in Russland sogar Marktführer. Doch nicht nur der sinkende Rubel macht Adidas derzeit das Leben schwer: Erst Ende 2013 kam es zu Lieferengpässen, weil der Vertrieb auf ein neues Verteilzentrum in der Nähe von Moskau umgestellt wurde. Sanktionen dürften auch Adidas treffen: Immerhin gilt das Land als einer der wichtigsten Einzelmärkte.

Von den aktuellen Sanktionen Russlands erwartet der Minister keine bedrohlichen Folgen für Deutschland. Der Anteil Russlands am deutschen Außenhandel betrage nur 3,3 Prozent, überdies seien viele deutsch-russischen Geschäfte über Bundesbürgschaften abgesichert.

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5 Kommentare zu "Sigmar Gabriel zur Russland-Krise: „Angst, dass sich die Krise weiterentwickelt“"

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  • Man braucht wirklich nicht allzu gebildet zu sein, um zu wissen, dass die Sanktionen gegen Russland fatal sind. Wie kann man die guten Wirtschaftsbeziehungen mit Russland so leichtfertig aufs Spiel setzen. Das auf die erfolgten EU Sanktionen eine Gegenreaktion von Russland kommen würde, war doch abzusehen. Leider wird die diplomatische Ideenlosigkeit von Merkel, Gabriel und Steinmeier Arbeitsplätze und Wohlstand kosten. Das scheint unserer politischen Führung aber wohl egal.
    Ich empfehle, Nachhilfe in Diplomatie bei Frau Sahra Wagenknecht zunehmen. (Anmerkung: Ich habe die Linken nicht gewählt, was ich aber für die Zukunft nicht ausschließe.)

  • Die SPD war doch bei den Kriegstreibern schon immer in vorderster Front, ich erinnere nur an den Kosovo-Krieg....Lügen und falsch informieren liegt dieser Partei scheinbar im Blut....

  • Es wird noch ganz bitter fuer Deutschland werden, Sanktionen sind das eine, aber der Russe wird das nicht vergessen. Die DB kann sich die 800 KM jetzt schon abschminken, nie und nimmer. Hoffendlich tritt die Bevoelkerung diese Polit Luftpumpen dann richtig in den HIntern.

  • Jetzt scheint den politischen Schnellmerkern aufzufallen, dass Sanktionen mit Gegensanktionen quittiert werden können?
    Im übrigen wurden die Sanktionen auf Grund von "ich haben gehört, ein erwiesener Lüger beweist, usw". Diese Basis war mehr als nur mager.

  • Mit anderen Worten, wenn der Russe sich gegen die unbegründeten Sanktionen wehrt, dann mit den Preisen für die Energie?

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