Sinkende Bezüge, steigende Beiträge
Renten-Sonderopfer scheint unausweichlich

Der Ökonom und Rentenexperte Bernd Raffelhüschen hat allen Parteien vorgeworfen, den Bürgern vor der Wahl die Wahrheit über die Zukunft der gesetzlichen Rente zu verschweigen.

HB BERLIN. "Rentner wie Beitragszahler werden 2006 ein Sonderopfer bringen müssen, damit die Renten-Reserve wieder aufgefüllt wird", sagte Raffelhüschen der in Düsseldorf erscheinenden Zeitung Rheinische Post.

Konkret heiße dies: Die Beitragzahler müssten sich darauf einstellen, dass für sie der Satz der Rentenversicherung leicht steigen werde. Es sei "plausibel", wenn der Dachverband der Rentenversicherungsträger davon ausgehe, dass der Satz von 19,5 auf 20 Prozent steigen werde. Die Rentner müssten sich auf eine weitere Nullrunde oder gar eine Reduzierung ihrer Bezüge gefasst machen. Wörtlich fügte Raffelhüschen hinzu: "Auch die Union muss den Leuten reinen Wein einschenken."

Zur längerfristigen Zukunft des Rentensystems sagte der Wissenschaftler, bis 2030 sei die Alterssicherung "nur durch eine Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre zu stabilisieren". Keiner müsse dann tatsächlich arbeiten, bis er 67 sei, "aber wer früher in Ruhestand geht, muss einen Rentenabschlag in Kauf nehmen".

Zur Verdeutlichung seiner Ansicht griff Raffelhüschen zu einem gewagten Vergleich: "Seit 40 Jahren findet in Deutschland demografisch eine Art Zweiter Weltkrieg statt. Die Konsequenzen sind von denen zu tragen, die durch freiwilligen Verzicht auf Kinder die Situation verursacht haben. Sie müssen hinnehmen, dass ihre gesetzliche Rente immer weiter sinkt."

Raffelhüschen, der an der Universität Freiburg VWL-Professort ist, gilt als rentenpolitischer Berater von CDU-Chefin und Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel.

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