Sinkende Erträge
Finanzkrise trifft Stiftungen

Die Zahl der Stiftungen in Deutschland nimmt zu. Allein im vergangenen Jahr stieg ihre Zahl auf 16500. Doch die Finanzkrise hat auch den Stiftungen ihre Spuren hinterlassen. Weil hochverzinste Wertpapiere durch sichere Anlagen ersetzt werden müssen, sinken die Erträge der Einrichtungen. Viele müssen ihre Programme kürzen.

BERLIN. Die Finanzkrise trifft nun auch die privat finanzierten Stiftungen und Denkfabriken in Deutschland. Einzelne renommierte Institutionen wie zum Beispiel die American Academy in Berlin müssen 2009 ihr Programm reduzieren, weil die Erträge aus dem Stiftungskapital sinken und Geldgeber aus der Wirtschaft ihre laufenden Finanzhilfen reduzieren. Vorsorglich hat auch die Zeit-Stiftung ihre Ausgabenplanung für 2009 um 15 Prozent heruntergefahren. In den meisten Institutionen wird in diesen Tagen Bilanz über die Entwicklung des Stiftungsvermögen des Jahres 2008 gezogen.

Tatsächlich dürften die Erträge bei den meisten Stiftungen erheblich gesunken sein, betonen Hans Fleisch, Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen, und Ambros Schindler, Geschäftsführer des Deutschen Stifterzentrums, das 430 Wissenschafts-Stiftungen betreut. Vor allem sinkende Aktienkurse haben den Buchwert vieler Stiftungsvermögen reduziert - von durchschnittlich zehn Prozent ist die Rede. Viele Firmen zahlen wie zum Beispiel der Medienkonzern Bertelsmann weniger Dividende an die Stiftungen.

Allerdings warnen sowohl Fleisch als auch Schindler vor Panik: Das privat finanzierte Engagement in Deutschland wird auch im Krisenjahr 2009 wohl noch zunehmen. Tatsächlich ist die Zahl der Stiftungen in Deutschland im abgelaufenen Jahr 2008 erneut um fast 1 000 auf mehr als 16 500 gestiegen.

Und offensichtlich schützt die lange belächelte konservative Anlagestrategie deutscher Einrichtungen nun vor einem steilen Absturz. So ist der Anteil riskanter Geldanlagen wesentlich geringer als etwa bei US-Universitäten, die zum Teil mehr als 20 Prozent ihres Vermögens verloren haben. "Totalverluste von Anlagen sind in Deutschland ganz selten", sagt Schindler. Einen Grund sieht Fleisch darin, dass das deutsches Stiftungsrecht stärker auf den nötigen Erhalt des Kapitalstocks ausgerichtet ist.

Sogar die Hertie-Stiftung, die als eine der wenigen großen Stiftungen noch vor wenigen Jahren einen Aktienanteil von bis zu 35 Prozent in ihrem Depot hatte, wirtschaftet heute vorsichtiger. "Wir haben bereits vor der Krise den Aktienanteil auf unter zehn Prozent verringert", sagt Holger Benke, Geschäftsführer des Vermögensmanagements der Hertie-Stiftung. Seit dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers in den USA mahnen die Stifter-Verbände ihre Mitglieder ausdrücklich zur Vorsicht.

Seite 1:

Finanzkrise trifft Stiftungen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%