Sinkende Schülerzahlen und Imageprobleme
Rheinland-Pfalz schafft Hauptschule ab

Rheinland-Pfalz schafft die Hauptschule ab. Das Land reagiert damit auf sinkende Schülerzahlen an den Hauptschulen, die zudem mit einem Imageproblem zu kämpfen haben. Die Pläne von Bildungsministerin Doris Ahnen (SPD) stoßen jedoch nicht überall auf Begeisterung.

HB MAINZ. Rheinland-Pfalz schafft die Hauptschule ab. Der Hauptschulabschluss wird vom Schuljahr 2009/10 an unter dem Dach der Realschule angeboten, die es in zwei Ausprägungen geben wird, sagte Bildungsministerin Doris Ahnen (SPD) am Dienstag in Mainz. Daneben existieren wie bisher die Gesamtschule und das Gymnasium.

Spätestens zum Schuljahr 2013/14 soll es keine eigenständigen Hauptschulen mehr in dem Bundesland geben. Die neue „Realschule plus“ kann bis zur Fachhochschulreife nach der zwölften Klasse führen. Das Land reagiert damit auf sinkende Schülerzahlen an den Hauptschulen, die zudem mit einem Imageproblem zu kämpfen haben.

In der neuen „Realschule plus“ sollen die Schüler sowohl den Hauptschulabschluss als auch die Mittlere Reife erwerben können. Nach Ahnens Worten wird es in der „Realschule plus“ eine Orientierungsstufe bis zur Klasse sieben geben, in der die Schüler zunächst gemeinsam lernen. Daran anschließend sei je nach Schule die Trennung der Bildungsgänge in einen Haupt- und einen Realschulzweig oder ein weiterer gemeinsamer Unterricht aller Schüler möglich. Die Klassengröße werde in der Orientierungsstufe auf 25 Schüler begrenzt.

Kritik von Lehrerverbänden

Um die neue Form der Realschule weiter aufzuwerten, soll ihr nach Möglichkeit vor Ort eine Fachoberschule angegliedert werden, an welcher die Jugendlichen die Fachhochschulreife erwerben können, erklärte Ahnen. Dies sei ein wichtiges Signal an die Eltern, dass die „Realschule plus“ hervorragende Perspektiven für ihre Kinder biete. Die Ministerin kündigte eine baldige Novellierung des rheinland-pfälzischen Schulgesetzes an. Die Schulreform soll dann 2009 beginnen.

Lehrerverbände reagierten kritisch auf den Reformplan. So erklärte der Vorsitzende des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, mit der Abschaffung der Hauptschule ließen sich nicht die Hauptschüler und deren individuelle Bedürfnisse auf Förderung abschaffen: „Im Endeffekt werden die Verlierer die bisherigen Hauptschüler, aber auch die bisherigen Realschüler sein.“ Kraus warf der Mainzer Landesregierung vor, die Hauptschulen seit 1991 gezielt vernachlässigt zu haben.

Dagegen kritisierte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) die Reform als nicht weitgehend genug. „Das Konzept der Landesregierung ändert nichts daran, dass Schülerinnen und Schüler nach wie vor mit zehn Jahren, und damit viel zu früh, auf unterschiedliche Schularten aufgeteilt werden“, kritisierte der Landesvorsitzende Tilman Boehlkau. Dass die „Realschule plus“ auch den Hauptschulabschluss vergeben soll, sei ein falsches Signal.

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