Sinkendes Volumen Neuanleihen
Bund braucht weniger Geld

Deutschland wird den Kapitalmarkt im kommenden Jahr weniger stark in Anspruch nehmen als 2006. Dennoch bleibt der Bund nach Italien der größte Emittent im Euro-Raum. Die für den Kapitalmarktauftritt des Bundes zuständige Finanzagentur hat am Montag für 2007 Anleiheauktionen über insgesamt 141 Mrd. Euro angekündigt.

cü FRANKFURT. Das sind zwölf Mrd. Euro weniger als in diesem Jahr, in dem Deutschland so viele Anleihen begab wie nie zuvor. Dazu kommen im nächsten wie auch im ablaufenden Jahr Emissionen von sechsmonatigen unverzinslichen Bundesschatzanweisungen am Geldmarkt über insgesamt 72 Mrd. Euro.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück hatte schon im November angekündigt, dass die Nettokreditaufnahme des Bundes sinken werde. Ein Grund für den geringeren Refinanzierungsbedarf ist die geplante Mehrwertsteuererhöhung um drei Prozentpunkte auf 19 Prozent. Den Emissionen am Geld- und Kapitalmarkt über insgesamt 213 Mrd. Euro im nächsten Jahr stehen Tilgungen von sechsmonatigen Bundesschatzanweisungen, fünfjährigen Bundesobligationen und Anleihen mit Laufzeiten von zehn und 30 Jahren über knapp 199 Mrd. Euro gegenüber.

Wie schon in diesem Jahr entfällt der größte Anteil der für das kommende Jahr geplanten Emissionen auf zweijährige Bundesschatzanweisungen (s. „Weniger Geldbedarf“). Abseits des Emissionskalenders behält sich der Bund vor, auch an die Inflationsrate gekoppelte Anleihen und Bonds in anderen Währungen als dem Euro zu begeben.

Der Bund wolle langfristig bis zu fünf Prozent seiner Kreditaufnahme über die neuen Instrumente steuern. Noch seien diese aber zu neu, um sie im Kalender anzukündigen, sagte ein Sprecher der Finanzagentur. Bei Anleihen in fremden Währungen komme es zudem darauf an, einen günstigen Zeitpunkt zu finden, der sich nicht vorab planen ließe.

Die erste und bislang einzige Dollar-Anleihe hatte Deutschland vor gut anderthalb Jahren begeben. Das Volumen lag bei fünf Mrd. Dollar. Den ersten inflationsindexierten Bond platzierte Deutschland im vergangenen März; später wurde das 5,5 Mrd. Euro schwere Papier um 3,5 Mrd. Euro aufgestockt. Die Bundesbank hatte im Oktober vor einem zu starken Einsatz von inflationsindexierten Anleihen gewarnt, weil diese zu einer Akzeptanz von Indexierungen bei Preisen und Löhnen führen könnten. Die Bundesbank galt zuvor schon lange als Gegner von Anleihen mit Inflationsschutz. Die Finanzagentur hatte die jüngste Kritik zurückgewiesen.

Die Analysten der britischen Investmentbank Barclays Capital rechnen damit, dass Deutschland im kommenden Jahr inflationsindexierte Anleihen über 12,5 Mrd. Euro an den Markt bringt. Neue, an die Inflationsrate gekoppelte Anleihen im Euro-Raum werden außerdem aus Frankreich, Italien und Griechenland erwartet.

Insgesamt werden die Staaten der Euro-Zone nach Schätzungen von Barclays Anleihen über zusammen mehr als 600 Mrd. Euro begeben und damit mehr als in diesem Jahr. Niedrigeren Finanzbedarf gebe es außer in Deutschland voraussichtlich nur in Frankreich.

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