Sinn, Schmieding, Fratzscher und Co.
Wenn die Terrorangst die Wirtschaft bedroht

Die Furcht vor weiteren Anschlägen hat sich bisher kaum auf die europäischen Aktienmärkte ausgewirkt. Ökonomen halten diese Ruhe für trügerisch. Ein Dax-Konzern stellt sich bereits auf einen Konjunkturdämpfer ein.

BerlinNach Einschätzung führender Ökonomen in Deutschland könnten neue Terrorattacken die Wirtschaftsentwicklung in Westeuropa bremsen. Falls es zu einer „Serie ähnlich schlimmer Anschläge“ wie in Frankreich kommen sollte, „könnte es zu mehr als kurzzeitigen Auswirkungen auf den privaten Verbrauch und die Investitionsneigung der Unternehmen kommen“, sagte der Chefökonom der Berenberg Bank, Holger Schmieding, dem Handelsblatt.

Ähnlich äußerte sich der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn: Bislang habe die Wirtschaft zwar besonnen reagiert. „Neue terroristische Attacken,  auch ein Kriegstritt weiterer Länder, würden freilich zu Vertrauensverlusten führen, die die Ausgabefreudigkeit der Verbraucher und Investoren beeinträchtigen“, sagte Sinn dem Handelsblatt.

Anleger ließen sich allerdings von zuletzt aufkommenden Sorgen vor einer möglichen Terrorwelle in Europa kaum beeindrucken. Der deutsche Aktienmarkt war am Mittwoch nur kurzzeitig in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Hoffnung auf weiteren Rückenwind durch die Geldpolitik hat dem Dax dann am Freitag sogar den höchsten Stand seit über drei Monaten beschert.

Dennoch ist in der Wirtschaft schon Verunsicherung spürbar. So stellt sich etwa der Siemens-Konzern nach den Terrorattacken von Paris bereits auf Nachteile ein. Typischerweise wirke sich ein solcher Schock auf das Investitionsverhalten in der Kapital- und Güterindustrie aus, sagte der Siemens-Vorstandsvorsitzende Joe Kaeser der „Süddeutschen Zeitung“. „Gerade der Mittelstand wird hier sicherlich vorsichtiger agieren.“ Die Kunden könnten möglicherweise mit Investitionen abwarten. „Ich gehe davon aus, dass diese schrecklichen Ereignisse 2016 sicherlich nicht einfacher machen“, ist Kaeser überzeugt. Siemens ist unter anderem in den Bereichen  Energie, Medizintechnik und Verkehr tätig und dabei vom Investitionsverhalten wichtiger Kunden abhängig.

Die US-Ratingagentur Standard & Poor’s betonte, dass die wachsende Bedrohung durch terroristische Angriffe allein kaum Auswirkungen auf die Bonität der europäischen Volkswirtschaften haben werde. Dennoch könnten solche Attacken einen indirekten Einfluss auf die ökonomischen Wachstumsaussichten und die möglichen fiskalischen Konsequenzen haben, was sich letztlich auch negativ auf Länderratings niederschlagen könnte. „Insbesondere die wirtschaftlichen und fiskalischen Aussichten könnten sich als anfällig bei einer Zunahme des Terrorismus erweisen“, schreiben die Bonitätswächter in einem Kommentar zu den terroristischen Angriffen in Paris.

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