Sinnvolle Ansätze vorhanden
Experte: Gesundheitsreform weicht Kernproblemen aus

Die Vorschläge von Bundesregierung und Opposition zur Gesundheitsreform weichen nach Ansicht des Jenaer Sozialrechtlers Eberhard Eichenhofer den Kernproblemen des Gesundheitswesens aus. „In drei bis vier Jahren haben wir wieder die gleiche Diskussion“, sagte er.

HB/dpa JENA. Vor allem die Frage der Wirtschaftlichkeit komme zu kurz. Eichenhofer leitet in Thüringen das Schiedsamt, das bei Honorarstreitigkeiten zwischen Kassenärzten und Krankenkassen vermittelt.

„Das Konsenspapier enthält zwar durchaus sinnvolle Ansätze wie die Einführung ambulanter Gesundheitszentren und die stärkere Verzahnung von ambulanter und stationärer Behandlung“, sagte er. Gegen die herrschende Verschwendung im Gesundheitssystem biete es dagegen kein Rezept. „An der Tatsache, dass in Deutschland zu viel Geld für medizinisch Nebensächliches ausgegeben wird, relativ unbedeutende Krankheiten mit großem Aufwand behandelt werden, rüttelt das Reformkonzept in keiner Weise.“

Bemerkenswert sei, dass die Vorschläge nicht auf einen Wechsel des Gesundheitssystems, sondern auf Veränderungen innerhalb des Systems abzielten. Das sei auch ein Zeichen für die Weiterentwicklung des Sozialstaates. „Die Belastungen für die Versicherten sind zwar hart, aber noch tragbar“, schätzte Eichenhofer ein. Er bezweifelte aber, dass das angepeilte Sparziel von mehr als 23 Mrd. € erreicht wird.

„Im nächsten Bundestagswahlkampf haben wir das Thema wieder auf der Tagesordnung“, sagte der Experte. Dazu komme der Prozess der Angleichung der europäischen Gesundheitssysteme. So werde der zu erwartende europaweite Trend zur engen Verknüpfung von ambulanter und stationärer Behandlung nicht ohne Einfluss auf das deutsche Gesundheitssystem bleiben.

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