Situation in Deutschland
Libyer gestrandet auf St. Pauli

Viele Flüchtlinge zieht es nach Deutschland. Italienische Behörden statten sie mit Papieren für den Schengen-Raum ausgestattet. Doch die Aufenthaltsfrist läuft nach drei Monaten ab – dann sind sie als Illegale im Land.
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Düsseldorf„Yes we're open – Willkommen in Deutschland“. Mit diesem Slogan bewarb im Sommer die Stadt Hamburg eine Ausstellung zum Fachkräftemangel. Die Wanderausstellung solle Deutschland als weltoffenes Land zeigen, das Zuwanderung nicht nur als Herausforderung, sondern vor allem als Chance begreife, betonte Detlef Scheele, Senator der Hamburger Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration.

Doch nicht alle Migranten sind in der Hansestadt willkommen. Das musste auch George am eigenen Leib erfahren. Der 30-jährige Ghanaer kam über Lampedusa nach Europa. Drei Tage lang war George in einem Boot auf dem Mittelmeer unterwegs, sagt er. Umgerechnet 2.000 US-Dollar wurden ihm dafür abgeknöpft. Doch er überlebte – und strandete im Frühjahr mit rund 300 sogenannten Lampedusa-Flüchtlingen in Hamburg. Wie es dort mit ihnen weitergeht, ist unklar.

Die vorwiegend aus Westafrika stammenden Männer waren während des Bürgerkriegs in Libyen nach Lampedusa geflüchtet. Von dort schickten italienische Behörden sie mit Papieren für den Schengen-Raum nach Nord- und Mitteleuropa, laut Bundesinnenministerium bekamen sie auch Geld. Ihre Papiere erlaubten ihnen einen Aufenthalt von höchstens drei Monaten, die Frist lief im Juni ab.

Das Schicksal der Flüchtlinge in Hamburg ist ungewiss. Die Afrikaner wollen ein Daueraufenthaltsrecht als Gruppe – bisher weigerten sie sich, ihre Identität preiszugeben. Der Hamburger Senat dagegen will die Personalien feststellen und dann im Einzelfall entscheiden. „Wir müssen den Einzelfall prüfen, gleiches Recht für alle“, heißt es in der Innenbehörde.

Doch von diesen Einzelfällen gibt es in Deutschland sehr viele: Wie aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage von drei Bundestagsabgeordneten der Linkspartei hervorgeht, hielten sich rund 426.000 Menschen zum 31. Dezember 2012 in Deutschland auf, denen Asyl oder zumindest ein Aufenthaltsrecht zugesprochen worden war. Dazu kommen weitere 74.000 Migranten, die im laufenden Jahr bis Ende September einen Antrag auf Asyl in der Bundesrepublik gestellt haben. Die Zahl derer, die sich ohne Papiere in Deutschland aufhalten, liegt nochmals deutlich höher: Das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut schätzt, dass sich zwischen 100.000 und 400.000 irreguläre Migranten in Deutschland leben.

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  • Danke für ihre Anerkennung.

    Ich selbst habe lange Zeit nicht geglaubt, dass es mittlerweile nicht anders ist als hier.

    Habe selbst einige Zeit lang geplant dorthin auszuwandern.

    Der Artikel stammt im Original aus einer "normalen" norwegischen Tageszeitung, also einem linksliberalen Medium

  • Vielen Dank für den Norwegen-Link. Es ist frustrierend gewesen, ihn zu lesen. Mir war bisher nicht klar, daß es auch dort nicht anders ist als hier. Und daß auch dort vehement alles totgeschwiegen wird.

  • Wir haben es nicht nötig JEDEN in unser Land zu lassen!!!
    Diese afrikanischen Flüchtlinge werden in der Mehrzahl der Fälle nicht politisch verfolgt, hebeln jedoch unser Asylrecht aus indem ihnen jemand gesagt hat, dass sie ihre Identität verschweigen sollen, so wie das seit Jahrzehnten mit ehemaligen Türken aus dem Libanon geschieht, die ihren Pass verstecken und deshalb nicht abgeschoben werden können.
    Wer zu uns kommt und bleibt sind in jedem Fall die, die in ihrem Heimatland erfolglos sind oder deren Ziel es ist Interessen anderer Länder in der Bundesrepublik zu vertreten (z.B. DITIB Geheimdienstzentrale der Türkei in Deutschland).
    Es ist wahnsinniger Nationensuizid den wir auf Betreiben von irgendjemand verfolgen. Es mag die Angst vor einem starken Deutschland sein oder wie oben bemerkt die Interessen des Kapitals, welches die ideale Voraussetzung in niedrigen Löhnen und guter Infrastruktur sucht. Dieses Ziel ist ebenso wie das nominelle Wachstum der Bevölkerung für das Individuum nicht wünschenswert. Es ist doch großartig, wenn wir in Betracht der Umweltprobleme und des Welternährungsproblems weniger Menschen in unserem Land haben. Vielleicht ist dann parallel zur Industrie wieder eine gesunde ökologische Landwirtschaft zur Ernährung der Bevölkerung möglich.
    Bevor dieser Beitrag mit archaischen Vorstellungen abgeschlossener Nationen verglichen und die Nazikeule ausgepackt wird folgendes:
    Ich lebe in Neukölln Berlin mit meinen 3 Kindern afro-asiatischer Herkunft und mein Großvater litt als Sozialdemokrat unter den Nazis in Schlesien!

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