Sitzung des Hauptvorstendes
IG-Metall-Vorstand votiert für Tandem

Der Hauptvorstand der IG Metall hat nach Angaben aus Vorstandskreisen die wochenlange Führungskrise vorerst beigelegt und am Mittwoch den bisherigen Personalvorschlag für die künftige Gewerkschaftsspitze bestätigt. Danach wird der 59 Jahre alte stellvertretende Vorsitzende Jürgen Peters als neuer IG-Metall-Chef vorgeschlagen. Der baden-württembergische Bezirksleiter Berthold Huber wurde erneut als Zweiter Vorsitzender nominiert.

Reuters FRANKFURT. Das Votum fiel den Angaben zufolge einhellig aus. Es habe keine förmliche Abstimmung gegeben, aber niemand habe dem Personalvorschlag widersprochen, sagte ein Teilnehmer der Sitzung. Der niedersächsische Bezirksleiter Hartmut Meine sagte nach der Sitzung erleichtert, das Votum für Peters und Huber sei „mit großer Mehrheit“ gefallen.“ Das neue Führungsduo soll Ende August dem Gewerkschaftstag zur Wahl vorgeschlagen werden.

Der am Montag aus Protest gegen diese Lösung vorzeitig zurückgetretene Gewerkschaftschef Klaus Zwickel kam nicht mehr zu der Sitzung. Sein Platz in dem 41 Mitglieder zählenden Gremium blieb leer.

Nach der Streikniederlage in Ostdeutschland vor knapp vier Wochen war Peters von Teilen der Gewerkschaft massiv kritisiert und zum Verzicht auf den Chefposten aufgefordert worden. Allerdings fand sich aus dem so genannten Reformerlager um Huber kein Gegenkandidat. Huber selbst hatte im Laufe des Streits zwischenzeitlich den Verzicht auf eine Posten im Vorstand erklärt. In der völlig festgefahrenen Auseinandersetzung einigten sich dann aber der als Traditionalist geltende Peters und Huber am vorigen Wochenende überraschend auf eine erneute gemeinsame Kandidatur.

Peters hat nach Angaben aus IG-Metall-Kreisen zugesichert, nur für eine Amtsperiode Verfügung zu stehen und damit nach vier Jahren den Weg für den sechs Jahre jüngeren Huber an die Spitze freizumachen. Beide haben zudem vereinbart, keine Alleingänge in zentralen Fragen zu unternehmen. Huber soll künftig an Peters' Stelle für die Tarifpolitik der mit knapp 2,6 Mill. Mitglieder größten Industriegewerkschaft zuständig sein. Die Tarifpolitik gehört in der IG Metall traditionell zu den Aufgaben des Gewerkschaftsvizes.

An der Basis weiter Kritik an neuem Führungsduo

An der Basis herrscht jedoch teilweise weiterhin Unmut über das Festhalten an der Peters-Kandidatur. Die gewerkschaftlichen Vertrauensleute beim Rüsselsheimer Autokonzern Opel kritisierten am Mittwoch die geplante Neuauflage des Führungstandems. „Hier geht es nur noch um Postensicherung“, erklärten sie am Rande der Vorstandssitzung in Frankfurt. Die Kollegen in den Betrieben wollten jedoch, dass sich die Gewerkschaftsführer anders als die „an ihren Sessel klebenden Politiker und Manager“ verhielten und für Fehler die politische Verantwortung übernehmen.

„Die öffentliche Debatte über die IG-Metall wäre längst beendet, wenn auch Jürgen Peters frühzeitig die politische Verantwortung übernommen hätte. Stattdessen erleben wir heute den Aufstand der hauptamtlichen Funktionäre gegen die Mitglieder“, erklärte Christel Johann-Eggers, eine der vorsitzenden der Vertrauensleute von Opel. Für den Gewerkschaftstag würden Anträge vorbereitet, um das Instrument der Mitgliederbefragung in die Satzung der IG Metall aufzunehmen und die Bezirksleiter künftig demokratisch von ihren Bezirken wählen, statt sie vom Vorstand einsetzen zu lassen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%