Sitzverteilung im Bundestag
Stühlerücken links von Merkel

Die Union schluckt die FDP, bei den Grünen dürfen Schwerhörige nach vorn rücken und um die erste Reihe gab's Zoff: An der neuen Sitzverteilung im Bundestag zeigt sich ein Zusammenspiel von Etikette und Anarchie.
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DüsseldorfMein linker, linker Platz ist frei. Ließe sich Angela Merkel (CDU) heute zu diesem Satz hinreißen, würde die Bundeskanzlerin der SPD wohl nichts durch die Blume sagen wollen. Hinter dieser Aussage versteckt sich keine politische Botschaft an den möglichen Koalitionspartner. Bevor sie mit ihrem linken Partner weiter an der Großen Koalition tüftelt, kommen die Abgeordneten das erste Mal zusammen. Der neue Bundestag konstituiert sich, wählt das Präsidium – dann kann er mit der Arbeit loslegen.

Als politisch links gilt Volker Kauder nicht. Allerdings lässt er sich im Plenarsaal gerne links neben der Kanzlerin nieder. Treu zur rechten Seite steht, nein sitzt, der Kanzlerin Gerda Hasselfeldt, Vorsitzende der CSU-Landesgruppe. Drumherum sucht sich Michael Grosse-Brömer, Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU, noch einen von vier freien Plätzchen ganz vorne. Wer auf den drei weiteren Stühlen der ersten Reihe sitzen darf, sei „noch nicht ausbaldowert“, teilt die Fraktion mit.  

Begehrt sind sie, die 16 berühmtesten blauen Sessel der Republik – die in der der ersten Reihe. Wie viele davon welcher Fraktion zugewiesen werden, hat der „Vor-Ältestenrat“ – bestehend aus den Parlamentarischen Geschäftsführern der Fraktionen – in der vergangenen Woche verhandelt.

Ruhig bleibt's beim Kampf um die blauen Sessel der ersten Reihe nicht. „Da fliegen richtig die Fetzen“, sagt der Mitarbeiter eines Abgeordneten. Mit der Vergabe der Plätze hat der Vor-Ältestenrat aber nichts mehr zu tun. Das müssen die Fraktionen intern regeln. Einfach ist das nicht.

Aus drei mach fünf heißt es bei den Sozialdemokraten für die erste Reihe. Mit dem Mehr an Wählerstimmen, wächst auch die Zahl an Sitzplätzen ganz vorn. Mit SPD-Parteigranden wie Thomas Oppermann, parlamentarischer Geschäftsführer, und Parteichef Sigmar Gabriel – falls er nach einem Krankheitstag wieder gesund sein sollte – ist neben Steinmeier fest zu rechnen. In den Reihen dahinter gilt die Weisheit: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

Grundsätzlich aber gilt: Die vorderen Reihen sind reserviert für die Parteiprominenz. „Ein Parlamentsneuling würde sich nie weit nach vorne setzen“, sagt ein SPD-Sprecher, „das würden die sich nicht trauen. Dafür haben sie zu viel Respekt.“ Falls doch ein SPD-Mann aus Versehen Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier den Platz wegschnappen würde, klärten ihn entweder die Parteikollegen oder die Plenarassistenten auf.

Kommentare zu " Sitzverteilung im Bundestag: Stühlerücken links von Merkel"

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  • Nee, aber Sie anscheinend - "LOL", aber gewaltig!

  • "Neues Beitritts-Kapitel eröffnet: Türkei einen Schritt weiter auf dem Weg in die EU ..."

    Wie gesagt, halte ich einen Beitriit zur "Eu in Brüssel" nicht für gut. Warum ? Weil die Türkei unabhängig als "Schweiz des Nahen ostens" bleiben sollte.

    Tritt sie der EU bei, kann sie ihre Souveränität an der Garderobe abgeben. Entweder ist sie Zahlmeister und Schulden-Mülltonne oder sie ist würdelos ferngesteuert, wie der Süden Europas gerade leidvoll ertragen muss.

    Will die Türkei das ? Eine zu Ende vollzogene "Eroberung Europas" wird es sowieso nicht geben, wie es vor 500 Jahren in Wien endete ... Erdogan sollte mal erläutern, warum er eigentlich unbedingt in die EU will. Warum eigentlich ???

  • Ich habe die Gültigkeit des GG nie bestritten. Es ist halt nur keine Verfassung. Oder machen Sie sich die Welt mal wieder wie Sie Ihnen gefällt ?

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